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- 28.11.2005 -

 

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Höchste CO2-Konzentration seit 650.000 Jahren

Menschliche Aktivitäten erwärmen Erde: Bohrungen im Eis der Antarktis beweisen, dass die Treibhausgas-Konzentrationen in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch waren wie heute.

(pte) - Ein europäisches Forscherteam hat anhand von Auswertungen antarktischer Bohrkerne festgestellt, dass die Treibhausgas-Konzentrationen in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch waren wie heute. Die warmen Klimaperioden im Zeitraum vor 650.000 bis 420.000 Jahren wiesen sogar geringere Kohlendioxid- und Methan-Konzentrationen auf, als in den darauf folgenden Warmzeiten, berichten die Forscher in zwei Studien im Wissenschaftsmagazin Science.

Temperatur und Kohlendioxidgehalt gekoppelt

Die Wissenschaftler um Hubertus Fischer vom Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung und Thomas Stocker vom Physikalischen Institut der Universität Bern haben damit bewiesen, dass geringere Treibhausgaskonzentrationen in den vergangenen 650.000 Jahren auch mit kühleren Bedingungen verknüpft waren. "Die Kopplung zwischen Temperatur und Kohlendioxid- beziehungsweise Methan-Konzentrationen in der Vergangenheit ist zeitlich erstaunlich konstant. Erst durch den Einfluss des Menschen in den letzten Jahrhunderten wurden atmosphärische Treibhausgase über ihre natürlichen Grenzen hinaus erhöht", so Fischer.

Die neuen Messungen zeigen auch, dass die Konzentrationen der Treibhausgase in Warmzeiten über viele Tausend Jahre nahezu konstant waren. Damit könne eine kontrovers diskutierte Hypothese endgültig verworfen werden, nämlich, dass die natürlichen Treibhausgaskonzentrationen bereits wenige hundert Jahre nach Beginn einer Warmzeit wieder abnehmen sollten und somit den Auftakt zur nächsten Eiszeit bilden.

Ältestes bisher untersuchtes Eis

Die Forscher haben Eiskerne, die auf der antarktischen Sommerstation Dome C im Vorjahr gebohrt wurden, genauer untersucht. Dabei wurde eine Tiefe von 3.270 Metern erreicht. Rund zehn Prozent der Eiskerne sind Luftblasen, in den Informationen über die Atmosphäre aus der Vergangenheit eingeschlossen sind. "Das ist das älteste bis dato untersuchte Eis", bestätigt Stocker im pressetext-Interview. "Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige Konzentration von atmosphärischem CO2 mit 0,38 Volumenpromille bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete Stand während der vergangenen 650.000 Jahre", schlussfolgert der Forscher. "Die Ergebnisse erweitern alle bisherigen bekannten Daten zu den Konzentrationen von CO2, Methan und Lachgas in der Atmosphäre", erklärt Stocker.

Starker CO2 Anstieg in den letzten 50 Jahren

"Im Forschungspapier berichten wir nicht davon, dass der Anstieg der Treibhausgase auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist", so Stocker. Den Schluss könne man aber bei der Betrachtung der Werte selbst ziehen: Der Anstieg von CO2 in den vergangenen 50 Jahren war 200 Mal schneller als während der gesamten 650.000 Jahre. Seit der Periode vor 390.000 bis 650.000 Jahre lagen die CO2-Werte niemals über 290 ppm. Heute liegen sie bei 375 ppm. Das gleiche gelte auch für das Treibhausgas Methan: Die Werte liegen heute um mehr als 130 Prozent höher als in den vergangenen 650.000 Jahren. "Das ist ein alter Schluss, aber er hat sich aufs neue bestätigt", meint der Forscher abschließend.

Klimageschichte der letzten 900.000 Jahren

Der Eiskern wurde im Rahmen des European Project for Ice Coring in Antarctica (EPICA) auf dem antarktischen Plateau gebohrt. Die Glaziologen schätzen, dass in den noch nicht analysierten Eiskernen die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist. Neben der Bohrung an Dome C wird auch bei der Kohnen-Station im Dronning Maud Land gebohrt. Mittlerweile konnte eine Tiefe von 2.565 Metern erreicht werden. Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen Ländern - Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz - durchgeführt.

 

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© Alfred-Wegener-Institut

Im Eislabor werden die zehn Zentimeter dicken und bis zu drei Meter langen Eiskerne einer ersten Analyse vor Ort unterzogen.

 

 Mehr Informationen:

EPICA

Alfred-Wegener-Institut

Universität Bern

 

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