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Höchste CO2-Konzentration seit 650.000 Jahren
Menschliche Aktivitäten erwärmen Erde:
Bohrungen im Eis der Antarktis beweisen, dass die Treibhausgas-Konzentrationen
in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch waren wie heute.
(pte) - Ein europäisches Forscherteam hat anhand von Auswertungen
antarktischer Bohrkerne festgestellt, dass die Treibhausgas-Konzentrationen
in den vergangenen 650.000 Jahren noch nie so hoch waren wie heute.
Die warmen Klimaperioden im Zeitraum vor 650.000 bis 420.000 Jahren
wiesen sogar geringere Kohlendioxid- und Methan-Konzentrationen
auf, als in den darauf folgenden Warmzeiten, berichten die Forscher
in zwei Studien im Wissenschaftsmagazin Science.
Temperatur und Kohlendioxidgehalt gekoppelt
Die Wissenschaftler um Hubertus Fischer vom Alfred Wegener Institut
für Polar- und Meeresforschung und Thomas Stocker vom Physikalischen
Institut der Universität Bern haben damit bewiesen, dass
geringere Treibhausgaskonzentrationen in den vergangenen 650.000
Jahren auch mit kühleren Bedingungen verknüpft waren.
"Die Kopplung zwischen Temperatur und Kohlendioxid- beziehungsweise
Methan-Konzentrationen in der Vergangenheit ist zeitlich erstaunlich
konstant. Erst durch den Einfluss des Menschen in den letzten
Jahrhunderten wurden atmosphärische Treibhausgase über
ihre natürlichen Grenzen hinaus erhöht", so Fischer.
Die neuen Messungen zeigen auch, dass die Konzentrationen der
Treibhausgase in Warmzeiten über viele Tausend Jahre nahezu
konstant waren. Damit könne eine kontrovers diskutierte Hypothese
endgültig verworfen werden, nämlich, dass die natürlichen
Treibhausgaskonzentrationen bereits wenige hundert Jahre nach
Beginn einer Warmzeit wieder abnehmen sollten und somit den Auftakt
zur nächsten Eiszeit bilden.
Ältestes bisher untersuchtes Eis
Die Forscher haben Eiskerne, die auf der antarktischen Sommerstation
Dome C im Vorjahr gebohrt wurden, genauer untersucht. Dabei wurde
eine Tiefe von 3.270 Metern erreicht. Rund zehn Prozent der Eiskerne
sind Luftblasen, in den Informationen über die Atmosphäre
aus der Vergangenheit eingeschlossen sind. "Das ist das älteste
bis dato untersuchte Eis", bestätigt Stocker im pressetext-Interview.
"Die Analyse streicht die Tatsache heraus, dass die heutige
Konzentration von atmosphärischem CO2 mit 0,38 Volumenpromille
bereits 27 Prozent höher liegt als der höchste aufgezeichnete
Stand während der vergangenen 650.000 Jahre", schlussfolgert
der Forscher. "Die Ergebnisse erweitern alle bisherigen bekannten
Daten zu den Konzentrationen von CO2, Methan und Lachgas in der
Atmosphäre", erklärt Stocker.
Starker CO2 Anstieg in den letzten 50 Jahren
"Im Forschungspapier berichten wir nicht davon, dass der
Anstieg der Treibhausgase auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen
ist", so Stocker. Den Schluss könne man aber bei der
Betrachtung der Werte selbst ziehen: Der Anstieg von CO2 in den
vergangenen 50 Jahren war 200 Mal schneller als während der
gesamten 650.000 Jahre. Seit der Periode vor 390.000 bis 650.000
Jahre lagen die CO2-Werte niemals über 290 ppm. Heute liegen
sie bei 375 ppm. Das gleiche gelte auch für das Treibhausgas
Methan: Die Werte liegen heute um mehr als 130 Prozent höher
als in den vergangenen 650.000 Jahren. "Das ist ein alter
Schluss, aber er hat sich aufs neue bestätigt", meint
der Forscher abschließend.
Klimageschichte der letzten 900.000 Jahren
Der Eiskern wurde im Rahmen des European Project for Ice Coring
in Antarctica (EPICA) auf dem antarktischen Plateau gebohrt. Die
Glaziologen schätzen, dass in den noch nicht analysierten
Eiskernen die ungestörte Klimageschichte bis zu einem Alter
von ungefähr 900.000 Jahren gespeichert ist. Neben der Bohrung
an Dome C wird auch bei der Kohnen-Station im Dronning Maud Land
gebohrt. Mittlerweile konnte eine Tiefe von 2.565 Metern erreicht
werden. Das Projekt EPICA wird von einem Konsortium aus zehn europäischen
Ländern - Belgien, Dänemark, Deutschland, Großbritannien,
Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz
- durchgeführt.
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