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Wälder lösen Klimaproblem nicht
Viel weniger als bislang angenommen sind die
Wälder der Erde dazu geeignet, die von der Menschheit ausgestoßenen
Treibhausgase aufzunehmen.
(vv) - Wer gehofft hatte, die ausgedehnten Waldgebiete der Erde
könnten die von der Menschheit ausgestoßenen Treibhausgase
reduzieren helfen und einige Länder von der lästigen
Pflicht befreien, die Emission von Kohlendioxid oder Methan zu
senken, wurde nun eines Besseren belehrt. "Die Hypothese,
dass große Waldgebiete wie die sibirische Taiga als riesige
Kohlenstoffsenken fungieren und maßgeblich helfen, Treibhausgase
aus der Luft zu ziehen, konnten wir nicht bestätigen",
sagte Christiane Schmullius. Die Fernerkundungsexpertin der Universität
Jena koordiniert das SIBERIA-II-Projekt zur Treibhausgasbilanzierung
in Sibirien, dessen Ergebnisse am Freitag der Öffentlichkeit
vorgestellt wurden.

© Scheere/Fotozentrum Uni
Jena
Prof. Christiane Schmullius vor einer Karte,
die die Waldbrände im Untersuchungsgebiet verzeichnet.
Allein 2003 verbrannte eine Fläche von der Größe
der ehemaligen DDR.
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Das Konsortium von Wissenschaftlern aus 14 Forschungseinrichtungen
von sieben Ländern dokumentierte erstmals mit Hilfe von Satellitendaten
das Zusammenspiel zwischen globaler Erwärmung, Kohlenstoffkreislauf
und Vegetation. Dabei wurden die Daten von zwölf Satelliten
zusammengeführt. Die Daten wurden dann in Klimamodelle integriert
und an der sibirischen Wirklichkeit getestet.
Dort ist die durchschnittliche Oberflächentemperatur seit
1960 um drei Grad gestiegen. Mit der Folge, dass die Tau- und
Wachstumsperiode früher einsetzt. Doch was danach klingt,
als würden eifrig sprießende Pflanzen nun mehr Treibhausgase
aufnehmen, verkehrt sich auf lange Sicht gesehen in sein Gegenteil.
Die Pflanzen wachsen besser, aber die Zersetzung des organischen
Kohlenstoffs im Boden wird stärker, mit der Folge, dass mehr
Kohlenstoff freigesetzt als aufgenommen wird.
Entstehen im Frühjahr während der Schneeschmelze große
Überschwemmungsgebiete, so sorgen Mikroorganismen unter Luftabschluss
für eine ungewöhnlich hohe Methangasproduktion, auch
Methan ist ein Treibhausgas. Da die Schneeschmelze jetzt früher
einsetzt und größere Gebiete umfasst, prognostizieren
die Forscher einen Anstieg der Treibhausgasemissionen.
"Das alles trägt mit dazu bei, dass die Taiga insgesamt
weniger Treibhausgase speichert, als wir bisher angenommen haben",
erklärte Schmullius. Dass ein verstärktes Wachstum der
Wälder nicht die alleinige Lösung des Klimaproblems
sei, stehe damit fest.
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