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Verbesserung der Luftqualität beschleunigt Klimawandel
Ausgerechnet die Verbesserung der Luftqualität
könnte dazu führen, dass das Weltklima sich schneller
und heftiger erwärmt als bisher angenommen.
(vv) - Das Weltklima könnte sich schneller und heftiger
erwärmen als bisher angenommen - dies ergeben gerade in der
wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature" veröffentlichte
Forschungen. Eine Verringerung der Aerosolteilchen in der Luft,
einhergehend mit einer Verbesserung der Luftqualität, könnte
Klimaveränderungen deutlich verstärken, indem sie die
Kühlwirkung der Aerosole herabsetzt und gleichzeitig die
in der Atmosphäre verbleibende Menge an Kohlendioxid erhöht.
Meinrat O. Andreae vom Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie,
Chris Jones vom Met Office's Hadley Centre for Climate Prediction
and Research und Peter Cox vom Centre for Ecology and Hydrology
haben die Auswirkungen des Kühleffekts anthropogener Aerosole
(feinste luftgetragene Staubteilchen) auf das gegenwärtige
und zukünftige Klima sowie auf die Aufnahme von Kohlendioxid
durch die Landbiosphäre untersucht.
Kühlwirkung der Aerosole fällt weg
Solche Aerosole haben bisher die Sonneneinstrahlung auf die Erdoberfläche
erniedrigt und damit teilweise den Erwärmungseffekt von Treibhausgasen
wie Kohlendioxid, die das globale Klima während des 20. Jahrhunderts
erwärmten, ausgeglichen. Wegen ihrer schädlichen Auswirkungen
auf Gesundheit und Umwelt wird die Emission dieser Aerosolteilchen
aber seit einiger Zeit scharf reduziert.
Diese Verringerung der Aerosolbelastung wird allerdings auch
zu einer Erniedrigung ihrer Kühlwirkung und damit zu einer
Beschleunigung der globalen Erwärmung führen. Jones:
"Da wir nicht genau wissen, wie stark die Kühlwirkung
durch Aerosole bisher war, können wir auch nicht genau wissen,
wie stark die Erwärmung durch Treibhausgase ausfallen wird."

© Max-Planck-Institut für
Chemie
Temperaturanstieg berechnet für den
Zeitraum von 1850 bis 2100 (die gelbe Linie entspricht
den früheren Schätzungen).
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Land schluckt weniger Kohlendioxid
Jegliche Erwärmung wird darüber hinaus durch Wechselwirkungen
zwischen dem Klima und dem Kohlenstoffzyklus, d.h. der natürlichen
Biosphäre der Erde verstärkt. Gegenwärtig absorbieren
Ozean und Landökosysteme etwa die Hälfte unserer Kohlendioxid-Emissionen,
aber als Auswirkung der Klimaveränderung werde sich dieser
natürliche "Puffer-Service" verringern. "Höhere
Temperaturen bedeuten, dass tote Materie schneller verrottet.
Wenn nun die Erwärmung aufgrund der verringerten Kühlung
durch Aerosole zukünftig stärker ausfällt als erwartet,
wird weniger Kohlendioxid von der Landmasse aufgenommen, wodurch
mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre verbleiben und damit
zum Treibhauseffekt beitragen kann", erklärt Cox.
Dringender Handlungsbedarf
Das deutsch-englische Forscherteam ist sich der bestehenden Unsicherheit,
welche die Klimamodelle stets belastet, bewusst. Doch sollte gerade
dies ihrer Meinung nach zum Handeln auffordern, um die globalen
Kohlendioxid-Emissionen zu beschränken. Dies gelte insbesondere
deshalb, weil die neuen Unsicherheiten hinsichtlich der Aerosoleinflüsse
sich ausschließlich dahingehend auswirken, die geschätzte
Obergrenze für die Klimaveränderungen im 21. Jahrhundert
anzuheben, ohne dabei die Untergrenze zu beeinflussen.
Starker Temperaturanstieg möglich
Andreae drückt dies so aus: "Wir gehen von einem möglichen
Temperaturanstieg von 6 Grad Celsius und mehr aus. Die Schlussfolgerungen
für die politischen Handlungsträger sind selbst bei
einer Temperaturerhöhung von 5 bis 6 Grad, vergleichbar mit
dem Temperaturanstieg zwischen der letzten Eiszeit und heute,
enorm. Betrachtet man die potenziell schwerwiegenden Konsequenzen
für unsere Umwelt und Gesellschaft, so ergibt sich als einzig
sinnvolle Vorgehensweise eine sofortige Verringerung der Treibhausgas-Emissionen,
und zwar mit Zielsetzungen deutlich unterhalb denjenigen des Kyoto-Protokolls."
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