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Mit Roggen gegen Ölteppiche
Sind Ölhavarien bald ein Festmahl für
Mikroben? Wie Getreide als Ölbinder bei Unfällen auf
dem Wasser eingesetzt werden könnte, hat eine sächsische
Firma erforscht.
(vv) - Ein Ölbindemittel aus Roggen soll in wenigen Jahren
schwimmende Ölteppiche zu einem Festmahl für Mikroorganismen
machen. Die Cobbelsdorfer Naturstoff GmbH aus Sachsen forscht
mit weiteren Partnern an diesem ehrgeizigen Projekt. Das Getreidegranulat
dient dabei zum einen als Ölbinder, zum anderen aktiviert
es den mikrobiologischen Abbau. Gefördert wird das Projekt
durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) aus Gülzow.
Jahr für Jahr fließen nach Angaben von Greenpeace
allein in die Nordsee mindestens 30.000 Tonnen Öl aus Schiffen
und Bohrinseln, die Ostsee müsse mindestens 15.000 Tonnen
Öl verkraften. Während jedoch für die Sanierung
von Ölunfällen an Land effektive Sanierungsmethoden
entwickelt wurden, erfolgt die Havariebekämpfung in Seen,
Flüssen oder auf dem Meer bislang passiv. Schwimmende Barrieren
bieten einen Schutz gegen die Ausbreitung von Ölteppichen,
tragen aber nicht zur Beschleunigung des mikrobiologischen Abbaus
bei. Wassertaugliche mechanische Ölbinder weisen ebenfalls
Defizite auf: einmal auf die Wasseroberfläche ausgebracht,
sind sie in der Regel nur schwer wieder zu bergen, so die FNR.
Die Cobbelsdorfer Forscher suchten deshalb einen Ölbinder,
der im Wasser verbleiben kann, die mikrobiologischen Abbauprozesse
aktiviert und nach Erfüllung dieser Aufgaben selbst als Mikrobennahrung
dient. Hierfür erwies sich Roggenextrudat als ideal. Es weise
ein hohes Ölbindevermögen auf und stelle ein hervorragendes
Substrat für Mikroorganismen dar. Damit das Substrat im Wasser
nicht vorzeitig aufweicht, forschen die Cobbelsdorfer auch an
Zusätzen für dessen temporäre Wasserfestigkeit.
Das Substrat soll so lange schwimmfähig und beständig
bleiben, bis das Öl abgebaut ist. Erst dann darf es zerfallen
und als Nahrung für andere Mikroorganismen zur Verfügung
stehen. Entsprechende Produkte will man bald auf den Markt bringen.
Potenziale für einen Ölbinder aus Getreide bestehen
nach den Aussagen auch für den Einsatz an Land, denn jährlich
würden ca. 20.000 t Ölbinder auf deutschen Straßen
eingesetzt. Aufgrund der Abbaubarkeit könne der Ölbinder
nach der Anwendung auf einer Rottedeponie biologisch-mechanisch
behandelt werden.
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