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- 12.04.2005 -

 

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Feinstaub schleppt Schadstoffe in den Boden

Feinstaub ist nicht nur in der Luft gefährlich. Tübinger Geowissenschaftler haben festgestellt, dass sich die Schadstoffe auch schleichend in Böden anreichern. Bisher ist noch nicht klar, ob sie abgebaut werden oder gar ins Grundwasser gelangen können.

(vv) - Feinstaub ist nicht nur gefährlich, weil er leicht in die Lunge eindringen kann. Die Rußpartikel können auch aus einem weiteren Grund zur Gefahr werden: Schadstoffe hängen sich in recht großer Menge und besonders fest an. Darunter sind vielfach die so genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAKs), unter denen viele Verbindungen als Krebs erzeugend gelten. Die Geowissenschaftler Tilman Gocht, Peter Grathwohl und Johannes Barth von der Universität Tübingen untersuchen, was passiert, wenn die Rußpartikel aus der Luft in die Böden gelangen.

Die Tübinger Forscher haben festgestellt, dass die gefährlichen PAKs zumindest bisher praktisch nicht im Grundwasser zu finden sind. Doch da die PAKs kaum abgebaut werden, reichern sie sich schleichend in den Böden an. Bisher ist noch nicht klar, ob sie abgebaut werden oder gar ins Grundwasser gelangen können. Als Teil des EU-Umweltforschungsprojekts "AquaTerra" untersuchen die Wissenschaftler den Weg der Rußpartikel.

"Atmosphärenforscher interessieren sich für den Feinstaub vor allem so lange, wie er sich in der Luft befindet. Auch medizinisch gesehen sind die Partikel wegen ihrer Lungengängigkeit in dieser Phase besonders problematisch. Doch in der Luft ändert sich die Situation häufig schon mit dem nächsten Regenguss", erklärt Tilman Gocht. Für die Geowissenschaftler, die Böden und Grundwasser im Blick haben, spielten dagegen erst deutlich längere Zeiträume eine Rolle. "Der Boden filtert die Schadstoffe praktisch heraus", sagte Barth. PAKs seien die Schadstoffe, die in der Umwelt in der höchsten Konzentration vorkommen. "Erst danach kommen Quecksilber und Dioxine", erklärten die Wissenschaftler.

"Doch die Kapazität des Bodens könnte irgendwann erschöpft sein und die PAKs würden dann in kürzerer Zeit ausgewaschen. So ähnlich war es in der Vergangenheit bei der Versauerung von Gewässern: Ein halbes Jahrhundert lang scheint es nicht viel auszumachen und plötzlich - in ein oder zwei Jahren - kippt das System um", beschrieb Grathwohl denkbare Szenarien. "Bei solch komplexen Systemen kann es Dominoeffekte geben, die wir jetzt vielleicht noch gar nicht kennen." PAKs könnten prinzipiell auch auf natürliche Weise entstehen, zum Beispiel bei Waldbränden. Die heute gemessenen Werte lägen aber um den Faktor zehn höher als die natürlichen, so die Forscher.

 


© Tilman Gocht/Zentrum für Angewandte Geowissenschaften

Rußpartikel lagern sich zum Teil an Wurzeln an (rechts, Rußpartikel in Ellipsen)

 

Die Tübinger Wissenschaftler wollen daher als Teil des "AquaTerra"-Projektes klären, was langfristig mit den Schadstoffen im Boden passiert. Sie gehen aber nicht zwangsläufig von einer problematischen Entwicklung aus. Denn sie können bisher nicht ausschließen, dass vor einer Verlagerung der PAKs ins Grundwasser natürliche Gegenmechanismen greifen. Zum Beispiel könnte unter bestimmten Bedingungen der biologische Abbau der Schadstoffe noch in Gang kommen oder sie könnten endgültig im Boden festgelegt und so unschädlich gemacht werden.

 

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 Mehr Informationen:

Universität Tübingen

Bundesumwelt- ministerium


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