|
Biologischer Kleber heilt Algenzellen
Die Grünalge Caulerpa taxifolia, die mittlerweile
riesige Bereiche des Mittelmeers erobert hat, ist eine wahre Meisterin
der Selbstheilung.
(jkm) - Eine wahre Meisterin der Selbstheilung ist die Grünalge
Caulerpa taxifolia. Jenaer Chemiker haben entdeckt, dass die oft
meterlangen Algenzellen Verletzungen mit einem biologischen Zweikomponentenkleber
verschließen. Diese Fähigkeit begründet den rasanten
Siegeszug der Alge im Mittelmeer und in anderen Meeresregionen.
Mitte der 80er-Jahre aus dem Ozeanographischen Museum in Monaco
entkommen, hat Caulerpa taxifolia mittlerweile riesige Flächen
am Grund des Mittelmeers erobert. Der Eindringling ist nicht nur
giftig und sehr tolerant gegenüber Kälte und Lichtmangel,
er verfügt auch über eine erstaunliche Vermehrungsstrategie:
Wird die riesige Zelle mit ihren zahlreichen Zellkernen zerrissen,
bildet sich auf den Rissflächen rasch ein schützender
Wundpfropf. Derart versiegelt, kann jedes mit der Strömung
fortgetragene Fragment eine neue Algenkolonie begründen.
Georg Pohnert und seiner Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut
für chemische Ökologie in Jena gelang es nun, den Mechanismus
des Wundverschlusses aufzuklären. Eine wichtige Rolle spielt
dabei das Caulerpenin, eine Verbindung aus der Klasse der Sesquiterpene.
Bei einer Verletzung spaltet das Enzym Esterase Säuregruppen
vom Caulerpenin ab. Das resultierende Molekül weist an einem
Ende eine Kohlenstoff-Doppelbindung und gleich zwei Aldehydgruppen
auf - und ist damit hochreaktiv.
Eine ähnliches Reagenz wird seit Jahrzehnten in der Elektronenmikroskopie
genutzt, um Proteine in einer Probe zu einem unlöslichen
Netzwerk zu verknüpfen. Die gleiche Funktion erfüllt
auch das aktivierte Caulerpenin, konnten die Forscher mit einem
Arsenal von Messmethoden nachweisen. Indem es in der Zelle reichlich
vorkommende Eiweiße verkettet und so regelrecht gerinnen
lässt, bildet sich binnen weniger Minuten der schützende
Wundpfropf.
"Dass dieser Mechanismus so zuverlässig funktioniert,
verdankt die Alge ihrer sehr reaktiven Esterase und der hohen
Caulerpenin-Konzentration", erläuert Pohnert. Eine ähnliche
Zweikomponenten-Wundheilung verhindere vielleicht auch bei anderen
riesenzelligen Algen das Auslaufen des Zellinhalts.
Seite
drucken
Hinweis
versenden
|