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Exodus nach Arsenvergiftung?
Eine Schwermetallvergiftung könnte das
mysteriöse Verschwinden einer Gruppe nordamerikanischer Ureinwohner
erklären.
(jkm) - Die Sinagua im US-Bundesstaat Arizona verschwanden kurz
nachdem sie eine Quelle mit stark arsenhaltigem Wasser erschlossen
hatten. Diese Hypothese stellen amerikanische Chemiker auf einer
Fachtagung in San Diego auf.
Etwa siebenhundert Jahre lang siedelten die Sinagua im trockenen
Südwesten Nordamerikas. Ihre Blüte erlebte die technologisch
zunächst einfache Kultur, indem sie sich landwirtschaftliche
Techniken von Nachbarn abschaute und ein Vulkanausbruch für
fruchtbare Böden sorgte. Zur Bewässerung der Anbauflächen
zapften die Sinagua in der Mitte des 15. Jahrhunderts auch "Montezuma
Well" an - einen mit Wasser gefüllten Einsturztrichter
im Kalkstein. Zwanzig Jahre später waren sie plötzlich
verschwunden.
Zur Begründung seien bislang Missernten oder Konflikte diskutiert
worden, so Richard Foust Jr. von der Northern Arizona University
in Flagstaff. Eine alternative Erklärung sieht der Chemiker
in der hohen Arsenkonzentration im Quellwasser - mit über
100 Mikrogramm pro Liter zehnmal höher als der in Deutschland
geltende Grenzwert.
Und selbst wenn die Sinagua dieses Wasser nicht getrunken hätten,
könnten sie beträchtliche Mengen des Schwermetalls mit
der Nahrung aufgenommen haben, berichten der Forscher und seine
Kollegen auf der Jahrestagung der American Chemical Society.
Die Chemiker analysierten nahe der Quelle ausgegrabene Schildkrötenskelette
und fanden darin Arsenkonzentrationen von 16 bis 73 Milligramm
pro Kilogramm Knochen. Masthähnchen brächten es auf
weniger als ein Milligramm Arsen pro Kilogramm, erläutern
Foust Jr. und Kollegen.
Ihrer Ansicht nach dürften sich bei den Sinagua, die nachweislich
in dem Quelltopf lebende Schildkröten verspeist hätten,
im Laufe der Zeit Verfärbungen und eine übermäßige
Verhornung der Haut sowie andere Symptome einer chronischen Arsenvergiftung
eingestellt haben. Und vielleicht hätten die Ureinwohner
dies als göttlichen Hinweis gedeutet, die Gegend zu verlassen.
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