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Haut aus Luft vermindert Reibung
Nach dem Vorbild einer Wasserspinne könnten
Schiffe in Zukunft weit reibungsärmer und damit energiesparender
als bislang durchs Wasser gleiten.
(vv) - Schiffe könnten vielleicht in Zukunft weit reibungsärmer
und damit energiesparender als bislang durchs Wasser gleiten.
Spezielle Oberflächenstrukturen nach Vorbild der Natur sollen
diese Vision möglich machen - so zumindest die Vorstellung
von Wissenschaftlern der Universität Bonn. Ihr Projekt konnte
sich in Berlin im bundesweit ausgeschriebenen Bionik-Wettbewerb
des BMBF unter 30 Konkurrenten durchsetzen. Es gehört damit
zu den sechs Ideen, die aus dem Hause Bulmahn in den kommenden
Jahren mit jeweils maximal 200.000 Euro gefördert werden.
Vorbild Wasserjagdspinne
Wenn sie taucht, schlüpft die Wasserjagdspinne in ein silbrig
glänzendes Kleid: Ihr Körper überzieht sich dann
mit einer Haut aus Luft, die verhindert, dass die Spinne feucht
wird. Unzählige kleine Borsten halten die Luftschicht gefangen,
so dass der Wasserstrom sie nicht fortreißen kann. Für
den Räuber dient die Schicht bei ihrer Jagd nach Fischen
als Sauerstoffflasche: Sie trägt ihren Luftvorrat auch unter
Wasser immer mit sich.

© Professor Dr. Wilhelm
Barthlott / Universität Bonn
Eine Wasserjagdspinne in ihrem silbrigen
Kokon aus Luft.
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Borsten schützen Luftschicht
"Wir interessieren uns aus einem Grund für dieses Phänomen",
erklärt Zdenek Cerman vom Bonner Nees-Institut für Biodiversität
der Pflanzen. "Dünne Luftschichten können die Oberflächenreibung
drastisch vermindern und sind daher beispielsweise für den
Schiffsbau oder für die Konstruktion reibungsarmer Rohrleitungen
interessant." Problem: Bislang lassen sich keine Materialien
herstellen, die in strömendem Wasser Luft über einen
längeren Zeitraum festhalten können. "Manche Pflanzen
und Tiere können das aber augenscheinlich; wir wollten herausfinden,
warum."
Die Bioniker um Professor Wilhelm Barthlott haben dazu rund 25
Pflanzen- und Tierarten genauer unter die Lupe genommen. Dabei
stießen sie auf interessante Strukturen: So finden sich
auf dem Körper der Wasserspinne zahlreiche kurze Borsten,
die sich durch den Wasserdruck wie die Bügel eines Fangeisens
über die Luftschicht legen und so verhindern, dass diese
davongespült wird.
"Luftbeschichtete" Materialien werden
nicht nass
Ziel ist es nun, ähnliche Oberflächen auch künstlich
herzustellen. Schon heute gibt es beispielsweise Schiffe, bei
denen ein Kompressor ihren Rumpf während der Fahrt über
zahlreiche feine Düsen mit Luft umspült. Durch diese
"Microbubble-Technik" verringert sich der Energieverbrauch
um rund 10 Prozent - ein Vorsprung, der durch den stromfressenden
Kompressor aber zum großen Teil wieder aufgezehrt wird.
"Unser Ansatz ist ein anderer", erklärt Cerman;
"unsere Oberflächen sollen die Luft passiv festhalten,
so dass man die Schicht nicht permanent erneuern müsste."
"Luftbeschichtete" Materialien werden zudem nicht nass
- ein Vorteil, der sie auch für die Herstellung von Textilien
interessant macht, beispielsweise für die Produktion schnell
trocknender Badeanzüge. Cerman und seine Kollegen haben in
Kooperation mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik
in Denkendorf bereits einen Stoff herstellen können, der
selbst nach vier Tagen noch absolut trocken ist, wenn man ihn
aus dem Wasser zieht - zehnmal länger als heute erhältliche
Hightech-Textilien. Für weitere Entwicklungen sieht Cerman
aber im wahrsten Sinne des Wortes noch Luft: "Das ist ein
allererster Prototyp, der im Rahmen einer Pilotstudie entstanden
ist; daran lässt sich noch einiges optimieren."
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