|
Forscher vermessen Indiens Dunstschleier
Die Luftverschmutzung über Teilen Indiens
erreicht ein Ausmaß, das den berüchtigten Smog in Los
Angeles harmlos erscheinen lässt.
(jkm) - Ein dichter Dunstschleier legt sich alljährlich
in den Wintermonaten über das Tal des Ganges. Anhand von
Satellitenaufnahmen haben amerikanische Forscher diese Aerosolansammlung
nun genauer analysiert. Insbesondere über dem ostindischen
Bundesstaat Bahir erreicht die Luftverschmutzung demnach ein Ausmaß,
das den berüchtigten Smog in der kalifornischen Metropole
Los Angeles harmlos erscheinen lässt.

© NASA/GSFC/LaRC/JPL, MISR
Team
MISR-Aufnahme des Gangestales
|
"Wir vermuten, dass die Schadstoffansammlung über Bihar
einen enormen Einfluss auf das lokale Klima und die Gesundheit
der circa 100 Millionen Einwohner der Region haben", schreiben
die Forscher um Larry Di Girolamo von der University of Illinois
in Urbana-Champaign. "Die Luftpartikel können das empfindliche
Lungengewebe schädigen und [...] verändern möglicherweise
Temperatur- und Niederschlagsmuster", erläutert der
Forscher.
Der Dunstschleier im Norden und Osten Indiens ist Teil der "Asian
Brown Cloud" - einer riesigen Aerosolwolke, die sich über
weite Teile Süd- und Südostasiens erstreckt. Bislang
sei dieses Phänomen nur über dem Ozean und an wenigen
Messstationen auf dem Land studiert worden, schreiben Di Girolamo
und Kollegen.
Um dieses Manko zu beheben, analysierten sie Daten des Multi-angle
Imaging Spectro-Radiometer (MISR) an Bord des Satelliten Terra.
Das Instrument misst die optische Dichte der Atmosphäre aus
neun verschiedenen Blickwinkeln und erlaubt so Aufschlüsse
über Konzentration und Art von in der Luft schwebenden Partikeln.
In den Monaten Dezember bis Februar steigt die Aerosol-Konzentration
über der Gangesebene demnach regelmäßig auf fünfmal
höhere Werte, als sie während der Stoßzeiten in
Los Angeles auftreten. Besonders betroffen ist das ländlich
geprägte und dicht bevölkerte Bihar am östlichen
Ende des Tals. Hauptursache dürfte die Verbrennung von Biomasse
für Kochen und andere häusliche Zwecke sein, vermuten
die Wissenschaftler. Im Verein mit sinkenden Luftmassen und nur
schwachen Winden, hielten die Talform und die Barriere des Himalaya
die produzierten Aerosole wie in einem Kessel gefangen.
Anders dagegen im westindischen Bundesstaat Gujarat, ebenfalls
eine bedeutende Schadstoffquelle: Dort wehen starke Nordwinde
die Aerosole aufs Meer und aufsteigende Luftmassen sorgen für
eine rasche vertikale Verteilung.
Seite
drucken
Hinweis
versenden
|