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Weinlese als Klima-Indikator
Burgunder erfreut nicht nur Weintrinker, sondern
auch Klimaforscher: Alte Aufzeichnungen der Winzer zeigen die
Temperaturen vergangener Jahrhunderte.
(jkm) - Ein Glas wohltemperierten Weins ist nicht alles, was
sich Klimaforscher von Winzern erhoffen können. Seit vielen
Jahrhunderten kontinuierlich geführte Aufzeichnungen über
die Weinlese lassen Rückschlüsse auf die Temperaturen
in den jeweiligen Jahren zu. Das berichten französische Forscher
im Magazin "Nature".
Pascal Yiou vom französischen Atomenergie-Kommissariat in
Gif-sur-Yvette und seine Kollegen analysierten über 600 Jahre
in die Vergangenheit reichende Aufzeichnungen über den Beginn
der Weinlese in Burgund. Demnach seien seit 1370 zwar mehrfach
Temperaturen wie in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts aufgetreten,
schreiben die Forscher. "Der Sommer 2003, mit höheren
Temperaturen als jemals zuvor in diesem Zeitraum, erscheint jedoch
als außergewöhnlich."
Klimaforscher verwenden zahlreiche Indikatoren, so genannte Proxies,
um Temperaturen und Niederschläge in der Vergangenheit zu
rekonstruieren. Dazu gehören etwa die Weite von Baumringen,
Sauerstoffisotope im Eis der Antarktis oder Kohlenstoffisotope
in Kalkschalen von Einzellern. Auch Wachstum und Entwicklung des
Weins - und damit der Beginn der Lese - hängen von der Witterung
ab. Entsprechende Aufzeichnungen gebe es vielerorts in Europa
und im Mittleren Osten, erläutern Yiou und Kollegen. Am Beispiel
der Region Burgund und der Rebsorte Pinot Noir testeten sie nun,
ob diese Daten ebenfalls als Klima-Proxy taugen.
Die Forscher nutzten ein Rechenmodell des Rebenwachstums, um
anhand der Kalenderdaten auf die jeweiligen Durchschnittstemperaturen
zu schließen. Tatsächlich fanden sie eine gute Korrelation
zwischen den so ermittelten Werten und den aus Baumringen abgeleiteten
und tatsächlich gemessenen Temperaturen in Paris, England
und den Alpen.
Auffällig sind mehrere sehr warme, teils von rapiden Abkühlungen
gefolgte Perioden, berichten Yiou und Kollegen. So habe die mittlere
Temperatur im Zeitraum um 1523 gut 4,1 Grad Celsius über
der Durchschnittstemperatur des Zeitraums 1960-89 gelegen. Kein
Ausschlag sei jedoch so stark wie jener im Jahr 2003 mit gut 5,9
Grad Celsius über dem Referenzwert.
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