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Wie der Ozean Luft holt
Kieler Meereswissenschaftler demonstrieren
erstmals, wie der Ozean "einatmet" und gewaltige Sauerstoffmengen
in die Tiefsee befördert.
(jkm) - In den Tiefen der Meere wird reichlich Sauerstoff verbraucht,
nachgeliefert werden muss er aus der Atmosphäre. Im Magazin
"Science" demonstrieren Kieler Meereswissenschaftler
nun erstmals, wie der Ozean "einatmet". Die Daten ihrer
Messsonde zeigen, wie im Winter eine tiefe Durchmischung des Nordatlantiks
einsetzt und gewaltige Sauerstoffmengen in die Tiefsee befördert.
Nach Ansicht von Arne Körtzinger und seinen Kollegen am
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften deuten ihre Beobachtungen
darauf hin, dass Sauerstoff für die künftige Klima-
und Meeresforschung eine wichtige Rolle spielen wird. Entsprechende
Messdaten könnten beschafft werden, wenn die derzeit fast
1.500 in den Weltmeeren treibenden Messsonden mit entsprechenden
Sensoren ausgestattet würden. Die meisten dieser "Drifter"
erfassen lediglich Temperatur und Salzgehalt des Wassers.
Im September 2003 hatte die Gruppe in der Labradorsee - zwischen
der Südspitze Grönlands und Kanada gelegen - einen Tiefendrifter
ausgesetzt. Das Instrument ging regelmäßig auf bis
zu 2.000 Meter Tiefe und tauchte dann wieder auf, um per Satellit
seine Messdaten zu übermitteln. Zunächst wurde nur eine
oberflächliche Wasserschicht durchmischt - erkennbar an einem
sprunghaften Abfall des Sauerstoffgehalts unterhalb von 50 Metern
Tiefe. Diese Grenze sank bis Ende des Jahres langsam und ab Mitte
Februar rapide auf gut 1.400 Meter, berichten die Forscher. Bereits
im April war jedoch die alte, oberflächliche Schichtung wiederhergestellt.
Körtzinger und seine Kollegen schätzen, dass der kurze,
aber tiefe Atemzug pro Quadratmeter Meeresoberfläche 17 Mol
oder gut 400 Liter Sauerstoff in die durchmischte Wasserschicht
brachte. Der hohe Sauerstoffgehalt ging rasch wieder auf sein
Ausgangsniveau zurück. Vermutlich wurde der Sauerstoff durch
horizontale Strömungen in nicht "atmende" Meeresgebiete
transportiert, so die Forscher. Offenbar fungiere die Labradorsee
als Lunge für große Teile der atlantischen Tiefsee.
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