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Selbstversuch: Tee gegen Quecksilber
Mit einem ungewöhnlichen Experiment wollen
60 kanadische Forscher herausfinden, ob Tee vor Quecksilber schützt.
(jkm) - Auf einer mehrtägigen Fachtagung werden alle Teilnehmer
die gleichen Speisen serviert bekommen, darunter auch Quecksilber
enthaltenden Fisch. Die Hälfte von ihnen wird dazu jedoch
reichlich schwarzen Tee trinken, die andere lediglich Wasser oder
Limonade.
Den Hintergrund für das Experiment stellen paradox anmutende
Messergebnisse dar. In den letzten Jahren hatten die im kanadischen
Collaborative Mercury Research Network (COMERN) arbeitenden Forscher
Einwohner mehrerer Ortschaften - darunter auch Fischerdörfer
und Inuit-Siedlungen - in der Provinz Québec untersucht.
Zu ihrer Überraschung enthielten Haar und Blut jener Personen
mit der höchsten Quecksilber-Aufnahme die geringsten Mengen
des giftigen Schwermetalls.
"Wir glauben, dass es Unterschiede in der Nahrung sind,
die bei den Bewohnern einiger Siedlungen die Aufnahme von Quecksilber
aus dem Darm blockieren", erläutert Marc Lucotte von
der Université de Québec in Montréal. Ein
möglicher Faktor sei schlichter Tee, so der Biologe. Das
Gebräu enthalte zahlreiche Verbindungen aus der Gruppe der
Flavonoide. Diese könnten Metalle regelrecht in die Zange
nehmen und so möglicherweise ihre Aufnahme durch die Darmwand
verhindern.
Das kulinarische Experiment soll diese Hypothese bekräftigen
oder widerlegen. Zu Beginn und am Ende der Konferenz entnommene
Blutproben sollen zeigen, ob die Teetrinker unter den Wissenschaftlern
tatsächlich weniger Quecksilber aufnehmen.
"Selbst als Versuchskaninchen zu dienen, bringt uns zurück
zu unseren Wurzeln", weist Lucotte auf den moralischen Aspekt
des Selbstversuches hin. Immerhin habe man es nicht mit einem
hypothetischen Problem zu tun, sondern mit realen Menschen und
Risiken.
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