vista verde SucheNewsThemenAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -   W i s s e n s c h a f t   &   T e c h n i k


- 19.10.2004 -

 

  Nachrichten aus Umwelt und Natur täglich frei Haus - abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter:
 
 
[ mehr Infos ]


 

DDT fließt durch Ministeradern

Die Umweltorganisation WWF hat dutzende Industriechemikalien im Blut von Gesundheits- und Umweltministern der EU gefunden.

(vv) - 14 Umwelt- und Gesundheitsminister aus 13 EU-Staaten sind nach Angaben der Umweltstiftung WWF mit Dutzenden von Industriechemikalien belastet. Entsprechende Testergebnisse veröffentlichte die Umweltorganisation am Dienstag. Im Blut der im Juni getesteten Minister seien insgesamt 55 Chemikalien gefunden worden, darunter auch gesundheitlich bedenkliche Stoffe wie bromierte Flammschutzmittel und polychlorierte Biphenyle (PCB). Auch das bereits vor 20 Jahren EU-weit verbotene Insektizid DDT wurde laut WWF im Blut der Minister entdeckt. Viele der Substanzen würden nach wie vor in Alltagsprodukten wie Sofas oder PCs eingesetzt.

"Unsere Testergebnisse zeigen, dass kein Europäer Anlass zu 'ruhig Blut' hat. Die Minister sind alle mit Chemikalien belastet, die beispielsweise unter starkem Verdacht stehen, krebserregend zu sein, das Hormonsystem zu stören oder die Gehirnentwicklung der Nachkommen zu beeinträchtigen. Deshalb will der WWF mit dieser Aktion die Entscheidungsträger in Brüssel motivieren, engagiert für eine starke EU-Chemikalienreform einzutreten", sagte Karl Wagner, Leiter der WWF-DetoX-Kampagne.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin begrüßte die Aktion: "Es ist nicht länger hinnehmbar, dass die Bürger Europas ungewollt Chemikalien ausgesetzt werden. Um diesen Zustand zu ändern, benötigen wir eine neue Chemikalienpolitik in Europa. Es ist erforderlich, die über 30.000 auf dem Markt befindlichen Chemikalien endlich systematisch zu durchleuchten, ihre Auswirkungen auf Mensch und Umwelt zu prüfen und gefährliche Stoffe vom Markt zu nehmen."

Die untersuchten Minister haben laut WWF durchschnittlich 37 verschiedene Chemikalien im Blut. Die höchste Anzahl war 43, die niedrigste 33 Substanzen. 25 davon wurden im Blut aller untersuchten Minister gefunden: Ein Flammschutzmittel, zwei Pestizide sowie 22 PCB. Die chemische Belastung sei darüber hinaus eine globale Bedrohung für Menschen, Tiere und Umwelt: So seien einige im Blut der Minister gefundene Substanzen bereits bei den Inuit der Arktis sowie bei Eisbären und Delfinen nachgewiesen worden.

Der von der EU-Kommission vorgelegte Verordnungsentwurf REACH (Registrierung, Evaluierung, Autorisierung von Chemikalien) zielt darauf ab, die gefährlichen Stoffe herauszufiltern und durch sicherere Alternativen zu ersetzen, geht aber nach Ansicht des WWF und anderer Umweltschutz- und Verbraucherorganisationen in einigen Punkten nicht weit genug.

 

 Seite drucken

 Hinweis versenden

 Mehr Informationen:

WWF: DetoX-Kampagne

 

 Lesen Sie auch:

Chlorverbindungen schwächen Eisbären

Verbraucherinformation über neues Chemikalienrecht

Deutsche besorgt über Chemikalien im Blut

WWF-Studie: Chemikalien schädigen Gehirnentwicklung von Kindern

"Dreckiges Dutzend" weltweit verboten

WWF-Analyse: Politiker mit Giftcocktail im Blut

Studie: Wieder größere Babys nach Pestizid-Verbot

Pestizide: Der lange Arm des DDT

 

 Werbung

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Themen | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2004
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung