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Reis: Sattmacher der Menschheit - wie lange noch?
Das "Brot Asiens" liefert weltweit
ein Fünftel der Nahrungsenergie. Doch der Reisanbau verbraucht
zuviel Wasser. Gentechnik und neue Anbaumethoden sollen helfen.
(aid) - In der alten hinduistischen Sprache Sanskrit bedeutet
Reis so viel wie "Ernährer der Menschheit". Diese
alte Weisheit gilt heute mehr denn je: Inzwischen nähren
die Körner der zur Gattung Oryza gehörenden Pflanze
mehr als drei Milliarden Menschen und steuern über 20 Prozent
zur weltweiten Nahrungsenergie bei. Mit dem Welternährungstag
am 16. Oktober erinnern die Vereinten Nationen (FAO) an das bestehende
Problem, weltweit die Bevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln
und sauberem Trinkwasser zu versorgen. Derzeit leiden rund 800
Millionen Menschen Hunger, 170 Millionen davon sind Kinder. Die
Vereinten Nationen haben das Jahr 2004 als "Internationales
Reis-Jahr" ausgerufen, um auf die Rolle dieser Kulturpflanze
bei Ernährungssicherung und Bekämpfung von Armut aufmerksam
zu machen.
Hoher Wasserverbrauch
Doch der Reisanbau verbraucht zuviel Wasser: Bis zu 5000 Liter
werden benötigt, um ein Kilogramm Reis zu erzeugen. Über
die drastischen Auswirkungen und Lösungsversuche berichtet
die aid-Fachzeitschrift "Ernährung im Fokus" in
ihrer Oktoberausgabe: In China sank der Grundwasserspiegel in
der Ebene um Peking um bis zu drei Metern. Die Regierung hat den
Reisanbau in einem Umkreis von 40 Tausend Hektar rund um ihre
Hauptstadt verboten. Aufgrund zunehmender Wasserknappheit schätzen
Experten, dass in zwanzig Jahren auf rund einem Viertel der weltweiten
Anbaufläche Reis nicht mehr wie bisher angebaut werden kann.
Gentechnik gegen Mangelernährung
Mit Hochdruck arbeiten Wissenschaftler daher an Lösungsstrategien:
Ein Ansatz ist die Gentechnik. So werden Reispflanzen entwickelt,
die resistent gegen Pflanzenschutzmittel, Schädlinge, Salz,
Dürre oder Kälte sind und beta-Carotin sowie Eisen bildende
Gene enthalten, um mangelernährte Menschen besser mit diesen
Nährstoffen zu versorgen ("Goldener Reis"). Auf
wasserärmere Anbaumethoden setzen chinesische und brasilianische
Wissenschaftler, die eine aerobe Reissorte entwickelten, die zur
Hälfte weniger Wasser verbraucht; der Ertrag sank jedoch
um ein Viertel. Ebenfalls geringere Erträge brachte eine
von deutschen Wissenschaftlern entwickelte Anbaumethode, bei der
die Reisfelder mit Mulch oder Plastikplanen abgedeckt werden.
So konnte bis zu 60 Prozent Wasser eingespart werden.
Sortenvielfalt nimmt ab
Ertragssteigerungen können durch Hochleistungs-Hybridreis
erzielt werden. Bei einer auf den Philippinen angewendeten Methode
liefert die Hybrid-Saat rund 20 Prozent mehr Ertrag. Die Bauern
sind jedoch darauf angewiesen, jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen.
Die Vielfalt der angebauten Reissorten hat inzwischen stark abgenommen.
Heute wird auf den Philippinen nur noch eine Hand voll unterschiedlicher
Sorten angebaut - anstelle der früher rund 3000 verschiedenen
Sorten. Folge ist ein vermehrter Schädlings-, Pilz- und Unkrautbefall,
so dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wächst.
Traditionelle Anbaumethode erfolgreich
Vielversprechend und ohne negative Begleiterscheinungen scheint
eine aus Madagaskar stammende Anbaumethode mit traditionellen
Reissorten zu sein. Die Farmer pflanzten ihre Setzlinge früher
als üblich, in größerem Abstand und hielten die
Böden nur feucht anstatt sie zu überfluten. Auf diese
Weise ernteten sie fast die doppelte Menge. Die FAO unterstützt
die Erhaltung der biologischen Sortenvielfalt mit ihrem diesjährigen
Motto "Biodiversität im Dienste der Ernährungssicherheit".
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