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Herzinfarkte durch Luftverschmutzung und Lärm
Luftverschmutzung und Lärmbelastung kann
die Herzgesundheit gefährden, belegen Studien. Doch vorbeugende
Massnahmen sind oft schwierig umzusetzen.
(vv) - Umweltbelastungen wie hohe Luftverschmutzung oder starke
Lärmbelastung im Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz dürften
für eine erheblich Zahl von Herzinfarkten verantwortlich
sein, berichteten internationale Experten beim Europäischen
Kardiologenkongress am Dienstag in München. Eine Reihe neuer
Studien belege die Bedeutung derartiger Risiken, die vom Einzelnen
häufig kaum beeinflussbar seien.
Mehr Spitalseinweisungen in Grossstädten
Den Einfluss von Luftverschmutzung auf den Gesundheitszustand
von Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, untersuchte
beispielsweise die von der EU geförderte "HEAPS"-Studie,
eine Grossuntersuchung mit insgesamt 22.000 Teilnehmern in fünf
europäischen Städten. Zehn Prozent der untersuchten
Herzpatienten mussten im Untersuchungszeitraum von 1992 bis 2000
wegen eines neuerlichen Herzinfarktes in ein Krankenhaus eingewiesen
werden, 16 Prozent wegen Angina Pectoris und 30 Prozent von ihnen
wegen anderer Herzprobleme.
Risiko steigt mit Luftverschmutzung
"Der Grad der Luftverschmutzung stand in einem direkten
Zusammenhang mit der Häufigkeit von Krankheitsfällen",
berichtete Stephanie von Klot vom GFS Forschungszentrum für
Umwelt und Gesundheit auf dem Kongress. "Wenn an einem bestimmten
Tag besonders hohe Konzentrationen von belastenden Partikeln gemessen
wurden, dann kam es noch am selben oder am darauf folgenden Tag
auch zu mehr Spitalseinweisungen unter den beobachteten Herzpatienten."
Wer also schon einmal einen Herzinfarkt hatte, so das Fazit der
Forscher, dessen Risiko, wieder krank zu werden, steige mit dem
Grad der Luftverschmutzung an.
Lärmbelastung kann zum Herzinfarkt führen
Aber auch wer häufig Lärm ausgesetzt ist, muss mit
einem höheren Risiko in Sachen Herzgesundheit rechnen, berichtete
eine deutsche Forschergruppe beim Kongress in München. Stefan
Willich und seine Kollegen von der Berliner Charité hatten
zwischen 1998 und 2001 insgesamt 4.115 Patienten untersucht, die
mit einem akuten Herzinfarkt in Berliner Krankenhäuser eingewiesen
wurden. Dabei wurde einerseits die subjektive Lärmbelastung
auf einer fünfteiligen Skala abgefragt, andererseits untersuchten
die Forscher auch die objektive Lärmbelastung im Wohnumfeld
und am Arbeitsplatz der Betroffenen.
Männer und Frauen reagieren unterschiedlich
Lärm erwies sich als ganz erheblicher Risikofaktor für
Herzinfarkt, wobei Männer und Frauen allerdings unterschiedlich
reagieren: Frauen, die in ihrem Lebensumfeld einer belastenden
Lärmkulisse ausgesetzt sind, haben ein 1,4-fach erhöhtes
Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, als Frauen ohne diesen
Belastungsfaktor. Bei Männern war in dieser Hinsicht kein
Unterschied zu beobachten, sehr wohl aber, was Lärm am Arbeitsplatz
betrifft: Hier haben Männer, die Lärm ausgesetzt sind,
ein 1,4-fach erhöhtes Herzinfarkt-Risiko, Frauen hingegen
nicht.
Risiko lässt sich verringern - für
Männer
Einen Unterschied macht diese Geschlechterdifferenz jedenfalls
für die Prävention, sagte Willich: "Das Risiko
für Männer lässt sich durch geeignete Lärmschutzmassnahmen
am Arbeitsplatz durchaus realistisch verringern. Aber betroffenen
Frauen zu raten, doch in eine ruhigere Gegend zu ziehen, ist wohl
eine nicht so einfach umsetzbare Empfehlung."
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