|
Sonne nicht für die globale Erwärmung verantwortlich
Studien von Max-Planck-Forschern zeigen: Die
Sonnenaktivität beeinflusst zwar das Klima, spielt aber nur
eine geringe Rolle bei der jüngsten globalen Erwärmung.
(vv) - Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts befindet sich
die Sonne in einer Phase außergewöhnlich hoher Aktivität,
die sich im häufigen Auftreten von Sonnenflecken, Gasausbrüchen
und Strahlungsstürmen äußert. Zu diesem Ergebnis
kommen Forscher des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung
(MPS) in Katlenburg-Lindau und der Universität von Oulu (Finnland),
nachdem es ihnen gelungen ist, die Sonnenaktivität anhand
der Häufigkeit von Sonnenflecken bis ins Jahr 850 zurückzuverfolgen.
Dazu kombinierten sie historische Aufzeichnungen über Sonnenflecken
mit Messungen der Häufigkeit radioaktiver Isotope in Eisbohrkernen
aus Grönland und der Antarktis.

© Kiepenheuer-Institut für
Sonnenphysik, Freiburg im Breisgau
Ausgedehnte Gruppe von Sonnenflecken, die
im September 1998 auf der südlichen Hemisphäre
der Sonne sichtbar war. Die Aufnahmen wurden mit dem deutschen
Vakuum-Turm-Teleskop am Observatorio del Teide auf Teneriffa
gemacht.
|
Sonnenaktivität außergewöhnlich
hoch
Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Physical
Review Letters" berichten, ist die mittlere Sonnenfleckenzahl
seit dem Jahr 1940 so hoch wie niemals zuvor in den vergangenen
tausend Jahren und zweieinhalb mal so hoch wie der langfristige
Mittelwert. Eine weitere Periode erhöhter Sonnenaktivität,
allerdings mit erheblich weniger Sonnenflecken als in der jetzigen
Phase, trat im Mittelalter zwischen den Jahren 1100 und 1250 ein.
Damals herrschte auf der Erde eine Warmzeit, während der
die Wikinger blühende Siedlungen in Grönland unterhielten.
Der zeitliche Verlauf der Sonnenaktivität weist eine Ähnlichkeit
mit der Entwicklung der mittleren Temperatur auf der Erde auf.
Daher rücken diese Forschungsergebnisse den Einfluss der
Sonne auf das Erdklima und insbesondere ihren möglichen Anteil
an der globalen Erwärmung im 20. Jahrhundert in den Brennpunkt
des Interesses.
Die Forscher des MPS haben aber auch gezeigt, dass die Sonne
höchstens für einen kleinen Teil der Erwärmung
der letzten 20-30 Jahre verantwortlich sein kann. Sie benutzten
dazu den gemessenen und berechneten Verlauf der Helligkeit der
Sonne über die letzten 150 Jahre und verglichen sie mit der
Temperatur der Erde. Obwohl sich die zwei Größen in
den ersten ca. 120 Jahren einigermaßen in Einklang bewegen,
stieg die Temperatur der Erde in den letzten ca. 30 Jahren rasant
an, während sich die Helligkeit der Sonne nur unwesentlich
erhöhte. Der starke Anstieg der Erdtemperatur ist deshalb
wohl vor allem der Emission des Treibhausgases Kohlendioxid aus
der Verbrennung von Kohle, Gas und Öl zuzuschreiben, meinen
die Forscher.
Seite
drucken
|