Klimaexperte Latif: "Klimawandel löst Völkerwanderung
aus"
Der Kieler Meteorologe warnt vor den Folgen
einer weiteren Erderwärmung: "Uns droht eine Heißzeit".
(vv) - Der Kieler Klimaexperte Mojib Latif warnt vor einer drohenden,
unkalkulierbaren Erwärmung der Erdatmosphäre: "Der Welt
droht eine Heißzeit", sagte der renommierte Meteorologe
dem Magazin "Reader's Digest". Latif forderte zugleich
zu einem Umdenken in der Umweltpolitik auf. "Die Politiker müssen
endlich einsehen, dass Öl, Kohle und Gas irgendwann zur Neige
gehen und dass wir so oder so auf die erneuerbaren Energien umsteigen
müssen."
Hochwasser und Hitzewellen werden häufiger
Die Hochwasser und Hitzeperioden der vergangenen Jahre hätten
bereits gezeigt, dass "die extremen Wetterereignisse zunehmen
und es deutlich wärmer geworden ist" - im Schnitt 0,1 Grad
pro Jahrzehnt. Die Häufung der extremen Wettersituationen
sei auf die globale Erwärmung zurückzuführen. Durch
das Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und
Kohle entstehe Kohlendioxid, das die Atmosphäre immer stärker
aufheize. Die globale Erderwärmung wird laut Latif "zu Dreiviertel
von den Menschen und zu einem Viertel von natürlichen Einflüssen"
verursacht. Sollte keine Umkehr in der Energiepolitik gelingen,
"herrschten bei uns im Sommer sehr heiße, sehr trockene
Bedingungen, hin und wieder unterbrochen von sintflutartigen Niederschlägen."
Klimawandel könnte riesige Völkerwanderung
auslösen
Eine solche Entwicklung mit andauernden Temperaturen von über
40 Grad hätte für die Natur gravierende Folgen. Der
Kieler Professor geht davon aus, dass viele Wälder dann absterben,
die Vegetation im Mittelmeerraum völlig vertrocknet und das
Trinkwasser vielerorts knapp wird. Ganze Landstriche würden
auf diese Weise unbewohnbar. "Der Klimawandel würde eine
riesige Völkerwanderung auslösen", prophezeit Latif.
In dem Interview mit "Reader's Digest" appelliert der
Experte deshalb an die Politik, die weltweite Belastung durch
Kohlendioxid drastisch zu reduzieren. "Bis zum Jahr 2100 müssen
wir auf null kommen, also den CO2-Ausstoß 100-prozentig
reduzieren."
Mehr erneuerbare Energien
Latif hält es für unabdingbar, die fossilen Brennstoffe
durch erneuerbare Energien mittelfristig zu ersetzen und Forschungen
dafür jetzt voranzutreiben. Von der Kernenergie als Ersatz
hält der Klimaexperte nicht viel: "Wir sollten die Atomenergie
nicht weltweit ausbauen, insbesondere nicht in Ländern, die
politisch instabil sind." Er nennt als künftige Energiequellen
die Wind- und Wasserkraft, die Nutzung der Erdwärme, aber
vor allem die Sonnenenergie. "Die Sonne schickt uns jede Sekunde
mehr Energie, als wir je nutzen können. So viel brauchen
wir gar nicht. Wir müssten nur einen Bruchteil davon umsetzen,
um unseren Bedarf zu decken."
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