Südhalbkugel wichtiger für Klima als angenommen
Der Südozean könnte eine größere
Rolle bei kurzfristigen Klimaänderungen spielen, als bisher
angenommen.
(jkm) - Zu diesem Schluss kommt eine internationale Gruppe von
Geowissenschaftlern nach der Analyse von Meeressedimenten aus
dem Südostpazifik. Das bessere Verständnis vergangener
Klimaveränderungen hilft, kommende Veränderungen einzuschätzen.
"Unsere Daten zeigen uns erstmals, dass die Antarktis das
Klimageschehen der Südhalbkugel wesentlich stärker und
großräumiger beeinflusst, als bisher angenommen",
erläutert Frank Lamy vom GeoForschungsZentrum Potsdam und
vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder in Bremen. "Die
Meeressedimente, die wir untersucht haben, zeigen deutlich, dass
vor Chile die Temperaturen des Oberflächenwassers mit dem
Klimageschehen der Antarktis eng zusammenhängen."
Grönländisches Eis und nordatlantischer Schlick bergen
die Spuren abrupter Klimaveränderungen während und nach
der letzten Eiszeit. Den Motor für diese Veränderungen
vermutete man bislang im Nordatlantik. Unklar war allerdings,
inwieweit die Südhalbkugel dem Rhythmus des Nordens folgte
bzw. sich entgegengesetzt verhielt. Zwar lassen antarktische Eisbohrkerne
auf eine Erwärmung im Süden bei einer Abkühlung
im Norden schließen. Die Gletscher in Nord- und Südamerika
könnten dagegen sogar synchrone Veränderungen gezeigt
haben.
Lamy und seine deutschen, norwegischen und US-amerikanischen
Kollegen studierten nun einen Sedimentbohrkern, der im Rahmen
des internationalen "Ocean Drilling Program" vor der
Südküste Chiles erbohrt worden war. Die Analyse der
8.000 bis 50.000 Jahre alten Ablagerungen zeigte, dass die Temperaturen
an der Meeresoberfläche in der Region sehr wohl dem antarktischen
Rhythmus folgten. Das gleiche galt für die Niederschläge,
erkennbar an wechselnden Schmelzwassereinträgen aus den Gletschern
Patagoniens.
Allerdings schienen die Gletscher mit einer deutlichen Verzögerung
von bis zu 1.000 Jahren auf die Veränderungen der Meerestemperaturen
zu reagieren. Nach Ansicht der Forscher könnte dieses Resultat
helfen, die bisherigen Widersprüche zu klären: "Unsere
Daten lassen vermuten, dass zumindest die patagonischen Gletscher
zu langsam reagieren, um solch abrupte Klimawechsel verlässlich
nachzuzeichnen", so Lamy.
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