Hoher Obstverzehr schützt vor Lungenkrebs
Wer viele Früchte isst, verringert damit
offenbar sein Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
(vv) - Einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Obstkonsum und
Neuerkrankungen an Lungenkrebs zeigen aktuelle Daten aus EPIC
(European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition),
der größten europäischen Studie zur Rolle von
Ernährung, Lebensweise, Stoffwechsel und Erbfaktoren bei
der Entstehung von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen.
In der EPIC-Studie werden seit 1992 rund 500.000 Menschen in
10 europäischen Ländern nach ihren Lebensgewohnheiten
befragt und ihre Gesundheitsentwicklung beobachtet. Darüber
hinaus stehen von allen Probanden Blutproben und Messwerte für
weitere Analysen zur Verfügung. Die Studie wird koordiniert
von Professor Elio Riboli von der International Agency for Research
on Cancer (IARC) in Lyon. Für die vorliegende Auswertung
wurden Daten zur Nachbeobachtung bis 1998 berücksichtigt,
für einige Zentren sogar bis 2002. Während dieser Zeit
entwickelten 1074 Studienteilnehmer einen Lungenkrebs, von denen
860 für eine ausreichend detaillierte Analyse zur Verfügung
standen.
Ein europäisches Wissenschaftlerteam nahm den Einfluss des
Obst- und Gemüseverzehrs auf die Neuerkrankungsrate an Lungenkrebs
gezielt in den Blick. Bei der Gewichtung der Ergebnisse legten
die Experten besonderen Wert auf die Berücksichtigung des
Rauchverhaltens, um Verzerrungen zu vermeiden. Je nach Höhe
des Obst- und Gemüseverzehrs wurden die Probanden in fünf
gleich große Gruppen (Quintilen) aufgeteilt. Probanden aus
der Quintile mit dem höchsten Obstverzehr (ca. 500 Gramm
pro Tag) zeigten im Vergleich zu Probanden mit dem niedrigsten
Obstkonsum (weniger als 70 Gramm pro Tag) ein um 40 Prozent geringeres
Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Der umgekehrte Zusammenhang
zwischen Obstverzehr und Lungenkrebs wurde am stärksten deutlich
bei Nordeuropäern und bei Menschen, die zum Zeitpunkt der
Erstbefragung Raucher waren.
In der gesamten Studiengruppe konnten die Wissenschaftler keinen
Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Gemüse oder von bestimmten
Gemüsesorten und Lungenkrebs nachweisen. Für die Gruppe
der Raucher zeigt sich jedoch ebenfalls ein inverser Zusammenhang,
also ein sinkendes Lungenkrebsrisiko mit steigendem Gemüseverzehr.
Bisher ist nicht bekannt, welche Nährstoffe in Obst und
Gemüse für den Schutzeffekt verantwortlich sind. "Wir
vermuten, dass insbesondere die Kombination verschiedener Inhaltsstoffe,
wie Antioxidanzien einschließlich der Vitamine C und E oder
sekundäre Pflanzenstoffe eine Rolle spielen", erklärt
Jakob Linseisen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). Die
EPIC-Daten unterstreichen die Empfehlungen an die Bevölkerung,
möglichst viel frisches Obst und Gemüse zu essen. Dies
soll jedoch insbesondere bei Rauchern nicht eine falsche Sicherheit
vortäuschen: Die Wirkung des Obstverzehrs ist klein im Vergleich
dazu, was man bewirkt, wenn man mit dem Rauchen aufhört,
mahnen die Forscher.
|