"Wärmeinsel-Effekt": Die Stadt als Treibhaus
Flächenversiegelung und Abwärme beeinflussen
das Klima in Deutschlands Städten.
(vv) - In Großstädten ist es fast immer wärmer
als im Umland. Im Jahresmittel pendelt sich diese Differenz bei
ein bis zwei Grad ein. An vielen Tagen kann sich die Temperatur
aber auch um sechs Grad und mehr unterscheiden das ist
deutlich spürbar und erschwert vielen Bewohnern im Sommer
das Leben. Dieser "Wärmeinsel-Effekt" hat verschiedene
Ursachen; sie sind alle auf die Besonderheit der Stadt zurückzuführen,
teilte das Umweltbundesamt am Dienstag mit. In Städten leben
Menschen, sie bewegen sich, sie arbeiten, sie produzieren und
sie verbrauchen Energie. Hier hat sich der Mensch ein spezielles
Umfeld geschaffen: Statt Wiesen und Wäldern dominieren Straßen
und Häuser. Das beeinflusst das lokale Klima ganz wesentlich.
Flächenversiegelung
Wo der Mensch baut, ist der Boden versiegelt. Das Regenwasser
verschwindet rasch in der Kanalisation, statt zu verdunsten oder
im Boden gespeichert zu werden. Besonders an heißen Tagen
fühlen wir diesen Mangel an Luftfeuchtigkeit deutlich. Und
in Städten sind die Nächte wärmer als draußen
im Grünen, weil die massigen Gebäude und der Asphalt
sich tagsüber aufheizen und die gespeicherte Wärme abgeben.
Pflanzen blühen früher
Das hat auch Auswirkungen auf die Pflanzen. Der Wärmeinsel-Effekt
verlängert die Vegetationszeit. Studien zeigen: Viele Pflanzen
beginnen in der Stadt um bis zu zehn Tage eher zu blühen.
Auch Pflanzen sogenannte Neophyten die gewöhnlich
in wärmeren Regionen gedeihen, finden hier ökologische
Nischen. So kann es vorkommen, dass die Artenvielfalt in Großstädten
höher ist, als im Umland, so das Umweltbundesamt.
Klimaanlagen produzieren auch Wärme
Je wärmer es ist, desto mehr Energie verbrauchen wir wiederum
für Kühlung. Wir öffnen unsere Kühlschränke
häufiger, wo kalte Getränke auf uns warten. Auch Klimaanlagen
sind zu einer fast selbstverständlichen Ausstattung in Büros
und Geschäftsräumen geworden. Viele neue Gebäude
sind ohne Luftkühlung sogar kaum noch benutzbar. Vor allem
in Hochhäusern und in Bauten mit Glasfassaden muss die Raumtemperatur
mit großem Energieaufwand gesenkt werden. Dabei produzieren
die Kühlaggregate aber nicht nur kalte Luft, sondern auch
Wärme, die sie an ihre Umgebung abgeben. In großen
Städten wird diese Abwärme zu einem immer bedeutenderen
Faktor.
Fehlende Abkühlung in der Nacht
Besonders ausgeprägt ist der Wärmeinsel-Effekt im Winter
und an heißen Sommertagen. Vor allem die fehlende Abkühlung
in der Nacht ist für viele Menschen unangenehm und belastend.
Hitze ist aber mehr als nur eine Frage des Wohlbefindens
ausführliche Studien haben gezeigt, dass bei Temperaturen
ab etwa 24 °C die Zahl der Todesfälle stark ansteigt.
Davon sind Säuglinge, Kranke und alte Menschen besonders
betroffen.
Lösungen
Was lässt sich tun, um dieser immer deutlicheren Ausprägung
des Stadtklimas zu begegnen? Zunächst kann sich jede und
jeder bemühen viel zu trinken, heiße Räume zu
meiden und möglichst leichte Kleidung zu tragen, schlägt
das Umweltbundesamt vor. Stadtplaner müssen darauf achten,
Grünschneisen zu schützen oder neu zu schaffen, die
kühle Luft aus der Umgebung in die City bringen. Die Architekten
können durch Auswahl geeigneter Materialien, optimierte Gebäudeausrichtung,
sowie durch Beschatten und Begrünen von Häusern der
Hitze entgegenwirken. Und schließlich kann bei der Effizienz
von Kühlaggregaten noch viel getan werden. Auch ihre Abwärme
kann durch Adsorptionsprozesse für die Kälteerzeugung
genutzt werden, ähnlich wie es von der Kraft-Wärme-Kopplung
bekannt ist. Das macht die Klimaanlagen fast doppelt so effizient
und heiße Luft, die dann mühsam wieder abgekühlt
werden muss, fällt kaum noch an.
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