Unsere Warmzeit endet erst in 15.000 Jahren
Forscher haben Geheimnisse der Klimageschichte
gelüftet, die bisher in antarktischem Eis eingeschlossen
waren.
(vv) - Wissenschaftler und Techniker aus zehn europäischen
Ländern haben im Rahmen eines seit acht Jahren laufenden
Projektes am so genannten Dome C auf dem Inlandeisplateau der
Ostantarktis einen drei Kilometer langen Eiskern erbohrt. Laboranalysen
dieses Eiskerns zeigen, wie sich in der Vergangenheit die Temperaturen
geändert haben und die Zusammensetzung der Atmosphäre
gewandelt hat. Der Eiskern enthält - soweit bisher analysiert
- Schneefälle aus mindestens 740.000 Jahren. Damit stellt
er zugleich die längste kontinuierliche Klimaaufzeichnung
dar, die je aus Eiskernen gewonnen wurde, teilte das Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung mit.
Erste Ergebnisse bestätigen, dass die Erde während
der letzten 740.000 Jahre acht Eiszeiten (Glaziale) erlebt hat,
in denen das Klima erheblich kälter war als heute, und acht
wärmere Perioden (Interglaziale). In den letzten 400.000
Jahren waren diese Perioden durch Temperaturen gekennzeichnet,
die den heutigen Werten ähneln. Vor dieser Zeit war es in
den warmen Perioden kälter als heute. Zugleich dauerten die
Warmzeiten länger.
Warmzeit wird noch 15.000 Jahre andauern
Aus dem Vergleich dieser charakteristischen Klimaänderungen
in der Vergangenheit mit Daten zu den derzeitigen globalen Umweltbedingungen
schließen die Wissenschaftler, dass die gegenwärtige
Warmzeit ohne menschlichen Einfluss noch mindestens 15.000 Jahre
andauern wird.
In einem nächsten Schritt werden die Wissenschaftler die
Luft der Vergangenheit, die in winzigen Bläschen im Eis eingeschlossen
ist, analysieren um herauszufinden, wie sich die Zusammensetzung
der Atmosphäre verändert hat. Vorläufige Analysen
zeigen, dass die gegenwärtige Konzentration von Kohlendioxid
in der Atmosphäre den höchsten Wert der letzten 500.000
Jahre erreicht hat. Das Verständnis der Prozesse, die in
der Vergangenheit zu Klimaänderungen geführt haben,
hilft den Wissenschaftlern Vorhersagen für künftige
Klimaänderungen zu verbessern.
Klimageschichte der letzten 900.000 Jahre
Die Bohrung an Dome C ist ein Teil des European Project for Ice
Coring in Antarctica (EPICA). Das Bohrteam arbeitete an Dome C
bei Temperaturen bis unter -40 °C, in einer abgelegenen Region,
die von der nächsten Forschungsstation über 1000 Kilometer
entfernt liegt. Das EPICA-Konsortium wird die Bohrung Anfang Dezember
2004 fortsetzen und hofft, in der nächsten Bohrkampagne den
Felsuntergrund zu erreichen. Lediglich 100 Meter sind noch zu
bohren. - 100 Meter, die die Klimaaufzeichnungen noch weiter in
die Vergangenheit verlängern werden: Wenn alles klappt, steht
den Glaziologen für ihre Untersuchungen bald über 900.000
Jahre altes antarktisches Eis zur Verfügung.
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