High-Tech-Lösungen nach Vorbild der Natur
Ein neues Forschungsnetzwerk für Bionik
will Patentlösungen aus der Natur für den Menschen nutzbar
machen.
(vv) - Der australische Feuerkäfer Merimna atrata kann sich
für Waldbrände erwärmen: Er verfügt über
einen Sensor, der besonders auf Infrarot-Strahlung anspricht,
die von brennendem Holz ausgeht. Zoologen der Universität
Bonn haben diesen "Sinn für's Brenzlige" inzwischen
kopiert und einen bionischen Waldbrand-Sensor entwickelt. Um Ideen
wie diese geht es im deutschlandweiten Bionik-Kompetenznetz BIOKON
II, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
gefördert wird. In Bonn beteiligen sich Botaniker und Zoologen
an dieser "Transferstelle für Patentlösungen aus
der Natur".
"Das Netzwerk ist Anlaufstelle für Industrie und Wissenschaftler,
die ein Problem haben, das sie mit Hilfe bionischer Verfahren
lösen möchten", erklärt der Botaniker Zdenek
Cerman. "Wir vermitteln dazu die Kooperationspartner, die
bereits Erfahrungen mit der entsprechenden Aufgabenstellung haben
und vielleicht helfen können." So soll ein schneller
Transfer der Erkenntnisse in die Industrie erreicht werden.
Bereits vor drei Jahren hatte das BMBF ein Bionik-Netz eingerichtet
- damals schon unter Beteiligung der Arbeitsgruppe von Wilhelm
Barthlott vom Botanischen Institut der Uni Bonn. Barthlott ist
der Entdecker des Lotus-Effekts: Aufgrund ihrer Oberflächenstruktur
perlt Schmutz von Lotusblättern einfach ab. Die Beobachtung
wird heute bei zahlreichen Industrieprodukten genutzt, beispielsweise
für schmutzabweisende Wandfarbe oder neuerdings für
ein Silikonwachs, das zum Schutz vor Dreck einfach auf die unterschiedlichsten
Materialien aufgesprüht werden kann. In BIOKON II kooperieren
deutschlandweit 18 Partner an 15 verschiedenen Standorten, darunter
die Universitäten Berlin, Saarbrücken und Karlsruhe,
die über lange Erfahrung auf dem Gebiet der Bionik verfügen.

© Arbeitsgruppe Professor
von der Emde
Vorbild Elefantenrüsselfisch: Der afrikanische
Fisch orientiert sich mittels schwacher elektrischer Pulse.
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Vorbild Elefantenrüsselfisch
Neu hinzugekommen in der nun beginnenden zweiten Phase des Bionik-Netzes
ist beispielsweise die Biosensorik. Hier forscht man - neben den
schon genannten Infrarotfühlern - beispielsweise an Strömungs-Messgeräten,
die sich an den Seitenlinienorganen der Fische orientieren, oder
an einer Art "Elektroortung": "Schwach-elektrische
Fische wie der afrikanische Elefantenrüsselfisch erzeugen
regelmäßig elektrische Pulse von wenigen Volt Spannung
und messen gleichzeitig über Hunderte von Hautsensoren das
elektrische Feld, das sich dabei um sie aufbaut", erklärt
Gerhard von der Emde von der Uni Bonn. Gegenstände in ihrer
Nähe "verzerren" das elektrische Feld; die Fische
erhalten so ein komplexes elektrisches Bild ihrer Umgebung. "Nach
diesem Vorbild lassen sich beispielsweise völlig neuartige
Abstandsmessgeräte konstruieren, aber auch Sensoren, die
Materialfehler in Produkten finden oder sogar Hautkrankheiten
detektieren und vermessen können."
"Für viele Aufgaben, an denen sich Ingenieure die Zähne
ausbeißen, hat die Natur im Laufe der Evolution innovative
Lösungen entwickelt", bekräftigt Zdenek Cerman.
"Wer dieses natürliche Know-how für technische
Produkte nutzt, kann unter Umständen viel Zeit und Geld sparen."
So gibt es Computerprogramme, die Wachstumsprinzipien von Knochen
oder Bäumen nutzen, um möglichst stabile und dabei material-
(und damit gewicht- und verbrauchsparende) Autoteile zu konstruieren.
Auch Spinnen inspirieren die Bioniker: Spinnenseide ist (bezogen
auf ihre Masse) belastbarer als alle anderen bekannten Stoffe.
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