WWF-Studie: Chemikalien schädigen Gehirnentwicklung von
Kindern
Chemikalien beeinträchtigen nach Einschätzung
der Umweltorganisation WWF die Gehirnentwicklung von Kindern.
(vv) - Eine Studie der Umweltorganisation WWF fasst neue wissenschaftliche
Untersuchungen zusammen, die zeigen, dass synthetische chemische
Substanzen die Intelligenz von Kindern beeinträchtigen. Chemikalien
könnten die Gehirnentwicklung und Motorik von Kindern schädigen,
und zwar schon in Konzentrationen, die bereits im menschlichen
Blut nachgewiesen wurden. Vor diesem Hintergrund müsse die
EU-Chemikalienpolitik verschärft werden, forderte die WWF-Chemieexpertin
Ninja Reineke.
Beobachtete Auswirkungen von chemischen Substanzen auf die Gehirnentwicklung
von Kindern sind laut WWF beispielsweise eine geringere Gedächtnisleistung,
verminderte visuelle Wahrnehmung, weniger entwickelte Bewegungsfähigkeit,
sowie geringere Intelligenzquotienten. Ein Wissenschaftlergremium
aus den USA habe geschätzt, dass zehn Prozent aller neurologischen
Verhaltensstörungen vollständig oder teilweise auf Chemikalien
zurückgingen, sagte Reineke.
Chemikalien mit neurotoxischen Effekten sind laut der Studie
beispielsweise die mittlerweile in vielen Ländern verbotenen
polychlorierten Biphenyle (PCB), und die noch vielfach eingesetzten
bromierten Flammschutzmittel, die sich in Videos, Fernsehern,
Computern, Polsterbezügen, Autositzen und Möbeln befinden.
Aus der Studie gehe auch hervor, dass siebzig Prozent der meistgenutzten
Chemikalien bisher nicht oder nur unzureichend auf ihre Effekte
auf Gehirn und Nervensystem getestet wurden.
Vor diesem Hintergrund müsse die für Herbst 2004 geplante
Novelle der EU-Chemikalienrichtlinie verschärft werden, forderte
Reineke. "Selbst in Fällen, in denen es Alternativen
gibt, versäumt es die herrschende Gesetzgebung bisher, gefährliche
Chemikalien aus dem Verkehr zu ziehen. Wenn es um die geistige
Entwicklungsfähigkeit der nachfolgenden Generationen geht,
müssen wir die Warnsignale ernst nehmen und unbedingt vorsorglich
handeln", sagte Reineke.
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