Arktis: Auf den Spuren des Klimawandels
Im größten EU-Projekt zur Klimaforschung
wollen Wissenschafter Bohrungen am arktischen Meeresboden vornehmen.
(vv) - Im August 2004 wird ein neues, spannendes Kapitel in der
Geschichte der Arktisforschung aufgeschlagen. Im Rahmen der "Arctic
Coring Expedition" (ACEX) machen sich drei Eisbrecher auf
den Weg Richtung Nordpol, um Bohrungen am arktischen Meeresboden
vorzunehmen. Durch Untersuchungen von Meeressedimenten will ein
internationales Team von Wissenschaftlern die arktische Klima-
und Umweltgeschichte der letzten 50 Millionen Jahre nachzeichnen:
von der Zeit vor der Entstehung des arktischen Meereises bis hin
zur heutigen Klimaepoche, die vom menschlich verursachten Treibhauseffekt
geprägt ist. Bislang gibt es dafür aus dieser Region
kein Untersuchungsmaterial.
Bohrkerne werden in Bremen untersucht
Nach Abschluss der Expedition werden die gewonnenen Bohrkerne
in das Sediment-Kernlager des DFG-Forschungszentrums "Ozeanränder"
an der Universität Bremen gebracht, wo eine internationale
Gruppe von Wissenschaftlern im kommenden November detaillierte
Untersuchungen durchführen wird. ACEX ist der erste europäische
Beitrag zu einem neuen internationalen Forschungsprogramm der
Geowissenschaften, dem Integrated Ocean Drilling Program (IODP),
das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in den nächsten
zehn Jahren mit rund 50 Millionen Euro unterstützen wird.
Klimaarchiv vergangener Zeiten
Die Expedition zum Nordpol ist ein in wissenschaftlicher, technischer
und logistischer Hinsicht spektakuläres Projekt. Zum ersten
Mal werden aus dem eisbedeckten arktischen Meer Sedimentbohrkerne
geborgen - ein Umweltarchiv, das Auskunft über klimatische
Veränderungen vergangener Zeiten gibt. Die Bohrkerne geben
Aufschluss über Wassertemperaturen, Salzgehalt und Meeresströmungen
und liefern zudem Informationen darüber, wie und wann sich
das Meereis der Arktis gebildet hat. Diese Erkenntnisse sind von
hoher Bedeutung für das Verständnis globaler Klimaveränderungen.
Die Bohrungen finden in unmittelbarer Polnähe am Lomonosow-Rücken
statt. Dieser untermeerische Gebirgszug erstreckt sich von Nordgrönland
quer durch das Polarmeer bis nach Sibirien.
Bohrungen in 1.000 Metern Wassertiefe
Die Gewinnung von Sedimenten im Arktischen Meer erfordert hohen
logistischen Aufwand. Daher wird die Expedition mit drei Eisbrechern
durchgeführt: der Vidar Viking als speziell ausgerüstetem
Bohrschiff, der schwedischen Oden sowie dem russischen Atomeisbrecher
Sowetski Sojus. Die Bohrungen in etwa 1.000 Metern Wassertiefe
werden von der Vidar Viking aus vorgenommen. Aufgabe der beiden
anderen Eisbrecher ist es, das Bohrschiff während der rund
dreiwöchigen Arbeiten vor driftenden Eisschollen und meterdicken
Packeisrücken zu schützen.
Das Bremer DFG-Forschungszentrum "Ozeanränder"
unterhält eines von weltweit vier Sediment-Kernlagern. Diese
Kernlager sind Treffpunkte für marine Geowissenschaftler
aus vielen Nationen.
|