Kurze Wege für günstiges Wasser
Den nachhaltigen Umgang mit Wasser erproben
Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft in einem Neubaugebiet in
Baden.
(jkm) - Der größte Kostenfaktor in der kommunalen
Wasserwirtschaft ist nicht das Wasser, sondern das Leitungsnetz.
Eine Alternative erproben Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft
in einem Neubaugebiet im badischen Knittlingen. Auf etwa 100 Grundstücken
wird künftig Regenwasser gesammelt, genutzt, und dann in
den Boden geleitet. Zwischenzeitlich mit organischem Material
"angereichert", kann es sogar Strom liefern.
Das System schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe, glauben
die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen-
und Bioverfahrenstechnik (IGB) in Stuttgart und vom Fraunhofer-Institut
für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe.
Einerseits reduziere es die Kosten für die Wasser-Infrastruktur.
Andererseits wirke es einem Absinken des Grundwasserspiegels entgegen
und stelle gleichzeitig einen Hochwasserschutz dar. Das Vorhaben
wird im Rahmen des Projekts DEUS 21 (Dezentrale Urbane Infrastruktur-Systeme)
vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

© FHG
In Gegenden mit ausreichend Niederschlägen
lohnt es sich besonders, Regenwasser zu nutzen, anstatt
es in eine Kläranlage einzuleiten.
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Zentrale Sammlung des Regenwassers
Das Konzept sieht vor, das Regenwasser aller Grundstücke
zu sammeln und in einer zentralen Anlage durch Membranfiltration
auf Trinkwasserqualität zu bringen. Über ein eigenes
Brauchwassernetz steht es den Haushalten dann wieder zur Verfügung
und eignet sich etwa für die Körperpflege, zur Versorgung
von Waschmaschine und Geschirrspüler, für die Toilettenspülung
und zum Bewässern des Gartens. Da es praktisch frei von Mineralsalzen
ist, werden Entkalkungsmittel oder Weichspüler überflüssig.
Aus Abwasser Biogas gewinnen
Das häusliche Abwasser wird wiederum über ein Vakuumkanalsystem
abgesaugt, wie es in skandinavischen Ländern weit verbreitet,
hierzulande jedoch eher aus Flugzeugen und Zügen bekannt
ist. In einem zentralen Reinigungsreaktor werden die organischen
Bestandteile zu Biogas vergoren und Phosphor- und Stickstoffsalze
zu Dünger umgesetzt. Die Anlage kann auch Küchenabfälle
verarbeiten und soll aus dem Biogas zumindest ihren Eigenbedarf
an Elektrizität und Wärme decken. Das gereinigte Abwasser
versickert dann an Ort und Stelle im Boden - wie es auch der Regen
getan hätte.
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