Blutgefäße sind "Morgenmuffel"
Viele Menschen brauchen morgens etwas länger,
um richtig wach zu werden. Ähnliches gilt für Arterien,
haben Mediziner festgestellt.
(jkm) - Am frühen Morgen reagieren die Blutgefäße
deutlich weniger stark auf eine Veränderung des Blutflusses
als zu anderen Tageszeiten, berichten US-Mediziner im Fachblatt
"Circulation".
"Ärzte wissen seit Jahren, dass die Morgenstunden eine
kritische Zeit für Herz-Kreislaufvorfälle wie Herzinfarkt,
plötzlicher Herztod oder Schlaganfall sind", erläutert
Virend Somers von der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota. "Die
neuen Resultate könnten diese Häufung erklären
helfen. Tatsächlich reagieren die Blutgefäße gesunder,
junger Probanden am frühen Morgen ähnlich wie die von
Rauchern und Diabetikern."
Die Blutgefäße werden nicht nur passiv durch den Blutdruck
gedehnt, dank einer Muskelschicht können sie ihre Weite auch
aktiv regulieren. Diese Tatsache wird beispielsweise zur Behandlung
von Herzattacken und Erektionsstörungen genutzt. Eine entscheidende
Rolle spielen dabei die Endothelzellen auf der Innenwand der Blutgefäße.
Somers und seine Kollegen testeten zu verschiedenen Uhrzeiten
die Funktion dieser Zellen bei 30 gesunden Männern und Frauen
im Alter von durchschnittlich 41 Jahren.
Dazu stauten die Mediziner per Manschette die Armarterie der
Probanden, gaben den Blutfluss plötzlich wieder frei und
verfolgten per Ultraschall, wie sich das Blutgefäß
weitete. Zu ihrem Erstaunen stellten sie fest, dass das Endothel
morgens um 6 Uhr gut 40 Prozent weniger zur Weitung der Arterie
beitrug als abends um 21 Uhr (7,5 bzw. 4,4 Prozent). Gegen 11
Uhr hatten die Endothelzellen jedoch wieder ihre volle Regel-Kraft
erreicht. Die Forscher wollen nun eingehender untersuchen, ob
diese morgendliche Trägheit des Endothels zur Häufung
von Infarkten beiträgt.
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