Länger leben durch Ineffizienz?
Ein hochtouriger Stoffwechsel könnte der
Schlüssel zu einem langen Leben sein - jedenfalls bei Mäusen.
(jkm) - Auch in biologischen Kraftwerken geht Energie in Form
von Wärme verloren. Diese Ineffizienz könnte einen segensreichen
Effekt haben, glauben britische Biologen nach Untersuchungen an
Mäusen. Dabei entpuppten sich ausgerechnet jene Tiere als
besonders langlebig, in deren Zellkraftwerken besonders viel Energie
"verpuffte" und die deshalb einen hochtourigen Stoffwechsel
aufwiesen.
Laut Martin Brand von der MRC Dunn Human Nutrition Unit in Cambridge
und seinen Kollegen widerspricht dieser Befund der Annahme, dass
eine hohe Stoffwechselrate automatisch eine rasche Produktion
aggressiver Sauerstoffverbindungen und damit schnelleres Altern
bedeutet. Das Gegenteil ist der Fall, glauben die Forscher: Indem
die Zellkraftwerke mehr Energie verpuffen lassen, vermeiden sie
die Entstehung von Sauerstoffradikalen und Superoxiden.
Sieben Jahre verfolgten die Wissenschaftler das Treiben in einer
Kolonie von Labormäusen. Die Datenanalyse zeigte einen positiven
Zusammenhang zwischen der Stoffwechselrate, gemessen als Futterkonsum
pro Gramm Körpermasse, und der Lebensspanne der Nager: Die
Mäuse mit den höchsten Stoffwechselraten lebten im Schnitt
ein Drittel länger als Artgenossen mit besonders niedertourigem
Stoffwechsel. Die Körpermasse und der Fettanteil daran schienen
keine Rolle zu spielen, berichtet das Team im Fachblatt "Aging
Cell".
Aus energetischer Sicht arbeiteten die Zellkraftwerke, die Mitochondrien,
der langlebigen Tiere besonders ineffizient, fanden die Forscher.
Bei früheren Experimenten hatten sie entdeckt, dass in solchen
Mitochondrien weniger Sauerstoffradikale als Nebeneffekt der ATP-Produktion
entstehen.
Sollten die Resultate auf den Menschen übertragbar sein,
könnte das Phänomen medizinisch genutzt werden, spekulieren
Brand und Kollegen - wenn nicht zur Verzögerung des Alterns,
dann doch zur Verbrennung überschüssiger Fettpolster.
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