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- 06.05.2004 -

 

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Weinanbau in Norwegen und Weizenernte in Sibirien

Ein Klimaexperte erwartet für die Zukunft eine Erhöhung der mittleren Jahrestemperatur, die zu einem Anstieg des Meeresspiegels und zu einer Verschiebung der Klimazonen führt.

(vv) - Wenn es nach dem aktuellen US-Film "The Day After Tomorrow" von Roland Emmerich geht, ist der Klimawandel weit vorangeschritten: Eine verheerende Klimakatastrophe begräbt große Teile der Nordhalbkugel unter einer Eisdecke. Solche dramatischen Veränderungen hält der Klimaexperte der Universität Erlangen-Nürnberg Professor Donat-Peter Häder aber für unrealistisch. Dennoch unterstreicht auch er, dass sich das Klima in den letzten Jahren gewandelt hat.

Für die Zukunft erwartet der Experte eine Erhöhung der mittleren Jahrestemperatur, die zu einem Anstieg des Meeresspiegels und zu einer Verschiebung der Klimazonen führt. Das Abkühlen der Temperaturen als Folge davon ist nur eines von verschiedenen Szenarien, die Häder für möglich hält.

Mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre

Ausgangspunkt für den Temperaturanstieg ist das Kohlendioxid, das durch tropische Brandrodung und Verbrennen fossiler Energieträger freigesetzt wird. Seit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert ist die Kohlendioxidkonzentration um etwa 37 Prozent gestiegen. Bis zum Jahr 2050 wird mit einer Verdoppelung der derzeitigen Konzentration gerechnet. Vor allem der steigende Energiebedarf der nach Wohlstand strebenden Länder, wie China mit seinen 1,2 Milliarden Menschen, wird zu dieser Steigerung beitragen. Problematisch ist dieser Anstieg in Verbindung mit dem Treibhauseffekt: Da die Zunahme von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen diesen Effekt verstärkt, steigt die mittlere Jahrestemperatur an.

Heiße Sommer in Süddeutschland

Nach den Klimamodellen der Forscher, die anhand von Daten aus der Vergangenheit überprüft werden konnten, wird die mittlere Jahrestemperatur bis 2050 um 1,5 bis 4,5 Grad, bis 2100 sogar 2 bis 8,5 Grad steigen. Und das, obwohl die mittlere Jahrestemperatur in der Zeit der menschlichen Evolution noch nie viel wärmer als heute gewesen sei.

"Die Temperaturänderungen werden je nach Region unterschiedlich ausfallen. Generell lautet die Vorhersage, dass die Temperatur in den Tropen und Subtropen nur unwesentlich ansteigen wird, während sie umso stärker steigt, je weiter man zu den Polen kommt", so Häder. Für Süddeutschland erwartet Häder einen Temperaturanstieg im Winter von 0,8 bis 1 Grad. Die Sommertemperaturen werden um 4,5 bis 6 Grad steigen.

Vegetationszonen wandern nach Norden

Der Temperaturanstieg und die daraus resultierende stärkere Wasserverdunstung führten zu einer Veränderung der Niederschlagsmengen und es komme zu einer Verschiebung der Vegetation. "Weizenernte in Sibirien und Weinanbau in Norwegen, alles ist möglich", so der Erlanger Botaniker Häder.

Auf Europa angewandt, verschieben sich die charakteristischen Vegetationszonen nach Norden. Allerdings erfolgten diese Änderungen nicht schlagartig. "Aber schneller als bei der letzten Eiszeit müssen sich die Pflanzen und Bäume schon umstellen", so der Botaniker.

Warm- oder Eiszeit möglich

Die Wolkenbildung selbst könne wiederum zwei Folgen haben. Einerseits erreichten weniger Sonnenstrahlen die Erde und die mittlere Jahrestemperatur sinke. Ob das eine neuerliche Eiszeit wie in dem Kinofilm verursachen würde, sei reine Spekulation. Anderseits könne genau das Gegenteil eintreten: Durch die Wolkenbildung würde die Wärme nicht nach oben abtransportiert, die mittlere Jahrestemperatur stiege an.

Anstieg des Meeresspiegels

Die höheren Temperaturen führten zu einem Abschmelzen der Eismassen und zu einem Anstieg des Meeresspiegels. Tatsächlich seien die meisten Gletscher in den Alpen im vergangen Jahrhundert deutlich zurückgegangen. Auch die Eisbedeckung auf Island schwinde. So werde in den Niederlanden beobachtet, dass sich seit 1870 der mittlere Meeresspiegel bereits um 35 cm gehoben habe.

Durch das Abschmelzen der Eismassen in der Antarktis würde der Meeresspiegel dramatisch ansteigen. Allerdings konnte dort bisher kein Abschmelzen beobachtet werden. Im Gegenteil, durch erhöhte Schneefälle wuchs die Eisdicke. Trotzdem, bis zum Jahr 2050 wird der Meeresspiegel, je nach Prognose, zwischen 5 und 60 cm steigen.

"Auch wenn es uns durch besseren Umgang mit Energie gelingt, die Emissionen zu reduzieren, ist ein Anhalten der globalen Klimaerhöhung nicht realistisch", so Häder abschließend. "Der Mensch hat sich bisher als äußerst anpassungsfähig erwiesen und es immer wieder verstanden, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen." Für viele Spezies habe diese Veränderung den Untergang bedeutet.

 


© Donat-P. Häder

Wie hier am Ochsenkopf leidet die Vegegation unter der zunehmenden Klimaerwärmung.

 

 Mehr Informationen:

Interdisziplinäres Zentrum für Ökosystemare Forschung der Universität Erlangen-Nürnberg

 

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