Chemiker plädieren in Energiedebatte für weltweite
Aufforstung
Experten sehen in der Aufforstung - besonders
in den Wüstenregionen der Erde - die preiswerteste Methode
zur langfristigen Speicherung von Kohlendioxid.
Oldenburg (dpa) - Die Endlagerung von Kohlendioxid in großen
Speicherstätten ist aus Sicht von Chemikern eine relative
teure Methode, um die klimaschädlichen Treibhausgase zu verringern.
Wirtschaftlich und ökologisch besser wäre ein weltweites
Aufforstungsprogramm, berichtet eine Fachgruppe der Gesellschaft
Deutscher Chemiker (GDCh) in Oldenburg. Die Kosten für Waldbau
und Begrünung von Trockenzonen wären bei weitem geringer
als die einer Lagerung. Am besten geeignet gegen den Treibhauseffekt
seien jedoch ein sparsamerer und effektiverer Energieverbrauch
sowie die Einführung alternativer Energien.
Die Kosten für Abtrennung, Transport und Endlagerung von
Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken liegen nach GDCh-Angaben zwischen
28 und 84 Euro je Tonne Kohlendioxid (CO2). Die biologische Speicherung
von CO2 im Humus von Waldflächen koste dagegen zwischen 1
und 5 Euro je Tonne.
Mit einer Aufforstungsstrategie würden zudem mehrere Ziele
zugleich erreicht. Sie produziere Biomasse für die Energiegewinnung
und als Rohstoff unter anderem für die chemische Industrie.
Zudem wirke sie der Ausdehnung von Wüstengebieten entgegen
und verbessere das Speichern von Wasser in der Erdoberfläche.

© ArtToday
30 Prozent der gesamten Landfläche
der Erde sind von Wüstenbildung betroffen.
|
Ausgeglichene CO2-Bilanz
Die langfristige CO2-Bilanz sei mit dem Bio-Konzept zudem ausgeglichen
und umweltneutral, erläuterte der Sprecher der GDCh- Fachgruppe
Umweltchemie, der Oldenburger Chemiker Prof. Jürgen Metzger.
Daher sei es vernünftiger, das Geld nicht in technische Lösungen,
sondern in biologische Prozesse zu stecken. Wenn unverzüglich
mit der Kultivierung von Halbtrocken-Zonen und mit der Wiederaufforstung
abgeholzter Flächen begonnen werde, könnten die ersten
Hölzer zur Energiegewinnung in 10 bis 20 Jahren geerntet
werden.
Dennoch trage das von den Chemikern bevorzugte Konzept nur zu
einem Teil zur Lösung des CO2-Problems bei, betonte Metzger.
Die Verminderung der Emissionen durch Effizienzsteigerung und
alternative Energiegewinnung sollten im Vordergrund stehen.
|