CO2 in die Wüste schicken
Experten sehen in der Aufforstung - besonders
in den Wüstenregionen der Erde - die preiswerteste Methode
zur langfristigen Speicherung von Kohlendioxid.
(vv) - Weltweit steuert die Kohleverstromung ein Viertel zum
Kohlendioxidausstoß bei. Aus Gründen des Klimaschutzes
ist daher die Abscheidung und langfristige Speicherung von Kohlendioxid
(CO2), die sogenannte die CO2-Sequestrierung, in der Diskussion.
Propagiert werden derzeit vor allem verfahrenstechnische Lösungen.
Die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft
Deutscher Chemiker (GDCh) weist dagegen darauf hin, dass das effizienteste
und über Millionen Jahre erprobte System zur CO2-Speicherung
die terrestrische Biosphäre sei.
Die Kosten zur verfahrenstechnischen Abtrennung von CO2 werden
auf 18 bis 60 Euro pro Tonne und für Transport und Speicherung
auf 10 bis 24 Euro pro Tonne geschätzt. Am Ende eines solchen
Prozesses könnten lediglich rund ein Drittel der weltweiten
CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken vermieden werden. Das sind
etwa 1,8 Milliarden Tonnen CO2 jährlich. Das globale Potential
der CO2-Sequestrierung über die Biosphäre wird dagegen
gegenwärtig auf etwa 7 Milliarden Tonnen pro Jahr geschätzt.
Jedoch schreitet die Entwaldung der Erde voran. Der dadurch erzielte
"negative" Beitrag betrage etwa 5,9 Milliarden Tonnen
pro Jahr.
Des weiteren breiten sich die Wüsten auf der Erde aus. Mittlerweile
sind nach Angaben des das UN-Wüstensekretariat UNCCD 30 Prozent
der gesamten Landfläche der Erde von Wüstenbildung betroffen.
Dabei könnten nach Meinung der GDCh-Fachgruppe eine Rekultivierung,
Aufforstung und verbesserte Anbaumethoden das globale CO2-Sequestrierungspotential
auf mehr als 18 Milliarden Tonnen pro Jahr erhöhen - also
ein Vielfaches dessen, was durch die verfahrenstechnische Sequestrierung
erreicht würde.
Aufforstung kostet nur 1 Euro pro Tonne CO2
Rechne man die Kosten für Aufforstungen in semiariden Gebieten
nur auf die dadurch langfristig in Form von Humus im Boden festgelegte
Menge an Kohlendioxid um, so lägen diese immer noch weit
unter der Untergrenze von 28 Euro für den rein technischen
Lösungsansatz.
Hierzu nennt die GDCh-Fachgruppe einige Zahlen: Die reinen Aufforstungskosten
für eine Kultur mit einer Baumart, die schnell wächst,
betrügen derzeit in Deutschland maximal 2.000 Euro pro Hektar.
Wolle man ökologischen Waldbau betreiben, so komme man auf
den Betrag von maximal 5.000 Euro. Damit würden langfristig
über 300 Tonnen Kohlenstoff, das entspricht über 1050
Tonnen CO2, in Form von Humus im Boden festgelegt. Die Speicherung
einer Tonne CO2 koste dann also nicht einmal 5 Euro. Bei einer
Aufforstung in semiariden Gebieten würden derzeit aufgrund
der geringeren Löhne die Kosten bei etwa 1 Euro pro Tonne
liegen.
Dabei seien die Erlöse aus dem Holzverkauf, die positiven
Folgen der Verbesserung der Wasserspeicherung im Boden für
die Landwirtschaft und der Nutzen für die dortigen Bewohner
insgesamt nicht einmal eingerechnet. Mit einer solchen Strategie
wäre zudem eine beträchtlich erhöhte Produktion
von Biomasse verbunden, die einen Übergang in eine Versorgung
mit erneuerbaren Energieformen ermöglichen und damit einen
weiteren Beitrag zum Klimaschutz leisten würde.
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