«Tag gegen Lärm» - Regierung soll Fluglärm
eindämmen
Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Deutschlands
fühlen sich nach Angaben des Umweltbundesamtes durch Lärm
belästigt.
Berlin/Düsseldorf (dpa) - Die «Lärmverschmutzung»
führt Psychiatern zufolge zudem zu einer steigenden Zahl
schwerhöriger Kinder und Jugendlicher und beeinträchtige
damit sogar deren seelische Entwicklung. Zum «Tag gegen
Lärm» am Mittwoch forderten Parteien, Behörden
und Verbände unter anderem ein neues Gesetz zur Eindämmung
des Fluglärms.
Jeder vierte Jugendliche sei bereits schwerhörig und die
gleiche Zahl kleiner Kinder leide unter starken Sprachentwicklungsstörungen,
berichtete der Berufsverband der Ärzte für Kinder- und
Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Noch in den 70er Jahren
sei die Sprachentwicklung nur bei höchstens jedem zehnten
Kind beeinträchtigt gewesen.
Die Kinder- und Jugendpsychiater stellten zudem Störungen
der zentralen Verarbeitung des Gehörten fest. «Dadurch
kann es zu Kommunikationsstörungen und zu großen Verunsicherungen
in ihrem Selbstwertgefühl kommen», sagte der Düsseldorfer
Kinder- und Jugendpsychiater Reinhard Schydlo. Schließlich
lerne das Kind über das Hören nicht nur die Sprache,
sondern auch Verhaltensweisen. Akustische Dauerberieselung, etwa
durch Fernsehen oder Musik, könne zu einem eingeschränkten
Sprachaustausch zwischen Eltern und Kindern führen.
Wird ein Verdacht auf Schwerhörigkeit festgestellt, werden
die betroffenen Kinder direkt zum Audiologen oder zum Hals-Nasen-
Ohrenarzt überweisen. Gemeinsam mit dem Kinder- und Jugendpsychiater
könne dann sowohl die Hörstörung als auch die psychische
Fehlentwicklung behandelt werden.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Verkehrsclub
Deutschland (VCD) betonten zum «Tag gegen Lärm»:
«Verkehrslärm ist die größte Umweltplage
im direkten Wohnumfeld.» Das Verkehrsministerium dürfe
die Novelle des Fluglärmgesetzes nicht durch übertriebene
Zugeständnisse an die Flugverkehrslobby zum Scheitern bringen.
Auch die Bundestagfraktionen der Grünen und der FDP forderten,
das «längst überholte Fluglärmgesetz»
von 1971 zu verschärfen. Die Staatssekretärin im Umweltministerium,
Margareta Wolf, sicherte zu, dass ihr Haus eine grundlegende Novellierung
des Fluglärmgesetzes vorbereite. Es gebe aber «keine
einfache und schnelle Lösung».
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