Bärtierchen: Proteine gegen lebensfeindliche Bedingungen
Bärtierchen überstehen Trockenheit,
Strahlung, Hitze und extreme Kälte. Spezielle Hitzeschock-Proteine
helfen ihnen dabei.
(jkm) - Die in Wasser lebenden Bärtierchen werden kaum anderthalb
Millimeter lang. Im Überleben sind die Winzlinge aber ganz
groß: Sie überstehen Trockenheit, Strahlung, Hitze
und extreme Kälte, indem sie ihren Stoffwechsel ruhen lassen
und eine Tönnchenform annehmen. In dieser Phase kommen spezielle
Hitzeschock-Proteine zum Einsatz, entdeckten Forscher der Universität
Tübingen.

Foto: Schill
Bärtierchen im aktiven Zustand
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Bärtierchen sind nahezu überall präsent. Sie leben
in der Tiefsee ebenso wie im Himalaya oder in Sanddünen.
Wird in ihrer Umgebung das Wasser knapp, kugeln sie sich in einer
Zyste zusammen. In diesem Zustand überstehen sie hochenergetische
Strahlung, organische Lösungsmittel, kurzzeitig hohe Temperaturen
und für lange Kälte bis minus 270 Grad Celsius, nahe
am absoluten Nullpunkt. Wenn die Bärtierchen dann wieder
auf Wasser treffen, springt innerhalb von Minuten der Stoffwechsel
wieder an.
Die Tübinger Wissenschaftler Ralph Schill, Heinz-Rüdiger
Köhler und Günther Steinbrück haben entdeckt, dass
offenbar einige unter Stress produzierte Eiweiße eine entscheidende
Rolle beim Zellschutz spielen. Weil die kleinen Tiere nur winzige
Mengen der so genannten Hitzeschock-Proteine produzieren, die
sich kaum nachweisen lassen, suchten die Forscher nach dem Bauplan
der Proteine im Erbgut der Tiere. Tatsächlich fanden sich
in den Bärtierchens drei Gene, die bei vielen anderen Lebewesen
als Hitzeschock-Proteine der Gruppe Hsp 70 bekannt sind.
Die Aktivität der Gene konnten die Forscher indirekt über
ein Fluoreszenzsignal messen: Beim Übergang eines aktiven
Bärtierchens in den Ruhezustand zeigte sich, dass immer seltener
die Form 1 der drei Hitzeschock-Gene abgelesen wurde, dagegen
Form 2 sehr viel häufiger als zuvor. Bei der Zugabe von Wasser
kehrten sich die Verhältnisse wieder um und Form 1 rückte
wiederum in den Vordergrund. Die Form 3 konnte dagegen bei sehr
hohen Temperaturen beobachtet werden. Das berichten die Forscher
im "Journal of Experimental Biology".
Zu klären ist noch, wie die einzelnen Zellbestandteile bei
Wassermangel geschützt werden. Diese Informationen könnten
für Biowissenschaften und Medizin bedeutsam sein, meinen
die Forscher.
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