Anti-Malaria-Kampagne zeigt nach sechs Jahren noch keinen Erfolg
Jeden Tag sterben weltweit etwa 3000 Kinder
an Malaria - die meisten davon in Afrika.
Von Ulrike Koltermann, dpa
Nairobi (dpa) - Auf einem typischen afrikanischen Markt sind
sie in vielen Farben zu haben: Pink, hellblau und zitronengelb
flattern sie im Wind. Was von weitem aussieht wie weite Gewänder,
sind tatsächlich Moskitonetze - wichtige Helfer im Kampf
gegen die tödlichste aller Krankheiten weltweit: Malaria.
Jeden Tag sterben weltweit etwa 3000 Kinder an Malaria - so viele,
wie Menschen beim Angriff auf das World Trade Center am 11. September
2001 ums Leben gekommen sind.
Afrika ist am schlimmsten von der Krankheit betroffen. Der Kontinent
kommt auf 90 Prozent aller Malaria-Toten. Der 25. April ist dem
Kampf gegen Malaria in Afrika gewidmet. Vor sechs Jahren setzten
sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und andere UN-Gremien
das Ziel, die Zahl der Malariapatienten bis 2010 zu halbieren.
Die Kampagne «Rolling back Malaria (Malaria eindämmen)»
ist jedoch mittlerweile heftig in die Kritik geraten.
«Die Zahl der Malariafälle ist in den vergangenen
Jahren nicht zurückgegangen, sondern weiter gestiegen»,
sagt Prof. Robert Snow, Malaria-Experte am Kenya Medical Research
Institute in Nairobi. Das sei vor allem durch die wachsende Resistenz
der Erreger gegen die bislang verbreiteten Medikamente zu erklären.
«Die internationale Gemeinschaft hat versagt, den Betroffenen
den Zugang zu wirksamen Medikamenten zu ermöglichen»,
meint Snow.
Viele Malariapatienten in Afrika schlucken noch immer Chloroquin-
Tabletten, die häufig keine Wirkung mehr auf den Erreger
haben. Das neue und wirksamere Kombinationspräparat ACT mit
dem Wirkstoff Artemisinin setzt sich erst langsam durch. Es ist
in Afrika meist noch etwa zehn Mal so teuer wie die Chloroquin-Tabletten.
«Es sind nicht genügend finanzielle Mittel vorhanden,
um die Patienten mit den wirksameren Mitteln zu versorgen»,
räumt auch Allan Schapira von der WHO ein. Die Kritik an
den gestiegenen Zahlen weist er jedoch zurück. «Die
Entwicklung lässt sich jetzt noch nicht messen», sagt
er. «Das wird erst in einigen Jahren möglich sein.»
Streit zwischen Wissenschaftlern gibt es außerdem um die
Frage, inwiefern bei der Bekämpfung von Malaria das Insektengift
DDT verwendet werden soll. Damit lässt sich die Zahl der
Anopheles-Mücken reduzieren, die den Erreger übertragen.
Die WHO empfiehlt in seltenen Fällen, beispielsweise in manchen
Gegenden Äthiopiens, den Einsatz von DDT in Wohnhäusern.
«Es besteht aber immer das Risiko, dass es dann doch in
der Landwirtschaft eingesetzt wird und in die Nahrungsmittelkette
gerät», sagt Schapiro.
Eingig sind sich alle, dass Moskitonetze einen relativ simplen
Schutz gegen Malaria darstellen. «Das Problem ist aber,
dass sich die Ärmsten der Armen diese Netze nicht leisten
können», sagt Snow. In Kenia liege Anteil der Kinder,
die unter Netzen schliefen, seit Jahren unverändert bei vier
Prozent. Schwierig sei es vor allem, Menschen auf dem Land den
Gebrauch der Netze nahe zu bringen. «Die meisten Moskitonetze
werden in Nairobi benutzt - und da gibt es so gut wie keine Malaria.»
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