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- 21.04.2004 -

 

 

 


 

WWF-Analyse: Politiker mit Giftcocktail im Blut

Rückstände von 76 verschiedenen Chemikalien konnte die Umweltstiftung WWF jetzt im Blut von EU-Abgeordneten nachweisen.

(vv) - In den Adern der Parlamentarier fanden sich nach Angaben des WWF Rückstände von bromierten Flammschutzmitteln, polychlorierten Biphenylen (PCB), Pestiziden, Phthalaten und Fluorchemikalien. Die Untersuchung habe eine große Bandbreite von sowohl bereits verbotenen als auch weit verbreiteten Chemikalien aus Alltagsprodukten in Menschen erfaßt. Die meisten der Stoffe fänden sich in einer Vielzahl von Produkten. Sie würden ebenso für Bauteile von Computern verwendet, wie für die Behandlung von Textilien und die Beschichtung von Bratpfannen, so der WWF.

Die Blutwerte der Politiker dürften nach Ansicht des WWF keine Ausnahme darstellen. „Man muss davon ausgehen, dass die meisten Europäer im Durchschnitt ähnlich hoch belastet sind“, erläuterte Dr. Ninja Reineke, Chemikalienexpertin des WWF. „Die Analysen zeigen sehr deutlich, dass die Industrie ihre Chemikalien nicht angemessen kontrollieren kann. Dass wir nach Jahrzehnten der Probleme mit chlororganischen Substanzen nun steigende Belastungen mit Brom- und Fluorchemikalien nachweisen können, zeigt die immer noch übliche Herangehensweise, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wir brauchen endlich ein effektives EU-Gesetz.“

Ende Dezember hatte der WWF die EU Parlamentarier zur Blutprobe gebeten. Mit der Aktion will er auf die Notwendigkeit aufmerksam machen, den derzeit diskutierten Gesetzentwurf zur europäischen Chemikalienpolitik „REACH“ (Registrierung, Bewertung und Zulassung von Chemikalien) zu stärken. Unter den rund 40 Politikern, die der Einladung folgten, waren mit Hiltrud Breyer, Lissy Gröner und Bernd Lange drei deutsche Probanden. Das Blut der Politiker wurde auf das Vorkommen und die Konzentration von 101 synthetischen Chemikalien untersucht. Im Zentrum der Analyse standen Stoffe, die langlebig (persistent) sind bzw. sich im Körper immer weiter anreichern (bioakkumulierbar) oder hormonell wirken können. Die höchste Anzahl der Chemikalien in einem Probanden lag bei 54. Jede Versuchsperson hatte mindestens 13 der untersuchten Stoffe in ihrem Blut.

„Wir wissen nicht, wie sich die nachgewiesenen Chemikalien auf die Gesundheit auswirken, aber die Alarmsignale aus der Tierwelt, z.B. bei Fischen (Missbildungen) oder Amphibien (Verweiblichung) sind alarmierend. Die Menschen werden zu Versuchskaninchen in einem gigantischen Freilandversuch“, kritisierte Ninja Reineke. „Der WWF fordert: Es dürfen nur Stoffe auf den Markt gebracht werden oder im Verkehr bleiben, wenn sie nachweislich unschädlich sind. Genau diesen Beweis bleiben Tausende von Substanzen, die bereits im Umlauf sind, schuldig.“

 

 Mehr Informationen:

Umweltstiftung WWF

EU: REACH

 

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