WWF-Analyse: Politiker mit Giftcocktail im Blut
Rückstände von 76 verschiedenen Chemikalien
konnte die Umweltstiftung WWF jetzt im Blut von EU-Abgeordneten
nachweisen.
(vv) - In den Adern der Parlamentarier fanden sich nach Angaben
des WWF Rückstände von bromierten Flammschutzmitteln,
polychlorierten Biphenylen (PCB), Pestiziden, Phthalaten und Fluorchemikalien.
Die Untersuchung habe eine große Bandbreite von sowohl bereits
verbotenen als auch weit verbreiteten Chemikalien aus Alltagsprodukten
in Menschen erfaßt. Die meisten der Stoffe fänden sich
in einer Vielzahl von Produkten. Sie würden ebenso für
Bauteile von Computern verwendet, wie für die Behandlung
von Textilien und die Beschichtung von Bratpfannen, so der WWF.
Die Blutwerte der Politiker dürften nach Ansicht des WWF
keine Ausnahme darstellen. Man muss davon ausgehen, dass
die meisten Europäer im Durchschnitt ähnlich hoch belastet
sind, erläuterte Dr. Ninja Reineke, Chemikalienexpertin
des WWF. Die Analysen zeigen sehr deutlich, dass die Industrie
ihre Chemikalien nicht angemessen kontrollieren kann. Dass wir
nach Jahrzehnten der Probleme mit chlororganischen Substanzen
nun steigende Belastungen mit Brom- und Fluorchemikalien nachweisen
können, zeigt die immer noch übliche Herangehensweise,
den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Wir brauchen endlich
ein effektives EU-Gesetz.
Ende Dezember hatte der WWF die EU Parlamentarier zur Blutprobe
gebeten. Mit der Aktion will er auf die Notwendigkeit aufmerksam
machen, den derzeit diskutierten Gesetzentwurf zur europäischen
Chemikalienpolitik REACH (Registrierung, Bewertung
und Zulassung von Chemikalien) zu stärken. Unter den rund
40 Politikern, die der Einladung folgten, waren mit Hiltrud Breyer,
Lissy Gröner und Bernd Lange drei deutsche Probanden. Das
Blut der Politiker wurde auf das Vorkommen und die Konzentration
von 101 synthetischen Chemikalien untersucht. Im Zentrum der Analyse
standen Stoffe, die langlebig (persistent) sind bzw. sich im Körper
immer weiter anreichern (bioakkumulierbar) oder hormonell wirken
können. Die höchste Anzahl der Chemikalien in einem
Probanden lag bei 54. Jede Versuchsperson hatte mindestens 13
der untersuchten Stoffe in ihrem Blut.
Wir wissen nicht, wie sich die nachgewiesenen Chemikalien
auf die Gesundheit auswirken, aber die Alarmsignale aus der Tierwelt,
z.B. bei Fischen (Missbildungen) oder Amphibien (Verweiblichung)
sind alarmierend. Die Menschen werden zu Versuchskaninchen in
einem gigantischen Freilandversuch, kritisierte Ninja Reineke.
Der WWF fordert: Es dürfen nur Stoffe auf den Markt
gebracht werden oder im Verkehr bleiben, wenn sie nachweislich
unschädlich sind. Genau diesen Beweis bleiben Tausende von
Substanzen, die bereits im Umlauf sind, schuldig.
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