Neue Technik soll Klimaphänomen El Nino zwei Jahre zuvor
voraussagen
Eine neue Methode soll das für Überschwemmungen,
Dürren und Hungersnöte verantwortliche Klimaphänomen
El Nino langfristiger als bisher vorhersagen.
London (dpa) - Forscher aus China und den USA haben ihre neue
Vorhersagetechnik erfolgreich an den El-Nino- Ereignissen der
vergangenen rund 150 Jahre getestet, wie sie im britischen Fachjournal
«Nature» (Bd. 428, S. 733) berichten. Rückwirkend
habe sich das Klimaphänomen dabei bis zu zwei Jahre im Voraus
angekündigt. Derzeit seien El-Nino-Vorhersagen nur über
sechs bis neun Monate möglich.
Das in unregelmäßigen Abständen wiederkehrende
Klimaphänomen löst in den Tropen teils drastische Änderungen
im Niederschlag aus, die trockenen Gebieten Überschwemmungen
und feuchten Gebieten Dürren bringen. An den Küsten
Perus und Ecuadors bewirkt das Ausbleiben nährstoffreichen
Tiefenwassers teils starke Rückgänge im Fischfang.
Die Folgen sind gravierend: Während des ausgeprägten
El Nino von 1877 starben durch eine Hungersnot in China und Indien
bis zu 40 Millionen Menschen. Zum Jahreswechsel 1997/98 sorgte
einer der stärksten El Ninos seit Beginn der Aufzeichnungen
für wirtschaftliche Schäden von mehr als 20 Milliarden
US-Dollar (rund 17 Milliarden Euro).
Dem nach seinem Auftreten um die Weihnachatszeit benannten El
Nino (spanisch für «Kind» oder «Christkind»)
liegt eine Warmwasseranomalie im Ostpazifik zugrunde. Dake Chen
von der Columbia University in New York und Kollegen stützen
sich bei ihren Voraussagen unter anderem auf die Oberflächentemperaturen
des Ozeans. Der - rückblickende - Erfolg ihres noch sehr
simplen Modells zeige, dass das Klimaphänomen vorhersagbarer
sei als angenommen, schreiben die Forscher.
Unter dem Strich bringe das neue Modell optimistische Aussichten
für eine Vorhersage, kommentiert auch der britische Klimaforscher
David Anderson in «Nature». Allerdings müsse
sich die Vorhersagetechnik erst unter realen Bedingungen in der
Zukunft beweisen.
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