Tödliche Verkehrsunfälle nehmen weltweit zu
Im Straßenverkehr werden jedes Jahr 1,2
Millionen Menschen getötet und 20 bis 50 Millionen schwer
verletzt - die meisten davon in Entwicklungsländern.
Genf/Berlin (dpa) - Rund alle 30 Sekunden stirbt irgendwo auf
der Welt ein Mensch im Straßenverkehr. Jährlich 1,2
Millionen Verkehrstote und 20 bis 50 Millionen Schwerverletzte
lautet die erschreckende Bilanz der Weltgesundheitsorganisation
(WHO). Unter dem Motto «Sicher fahren - gesund ankommen»
hat sie den Weltgesundheitstag an diesem Mittwoch der Verkehrssicherheit
gewidmet. Zwar hat sich in Industrieländern wie Deutschland
die Zahl der Verkehrstoten seit den 70er Jahren zum Teil mehr
als halbiert. WHO-Generaldirektor Jong Wook Lee warnt jedoch vor
einem alarmierenden weltweiten Trend: «Wenn sich nichts
ändert, wird die Zahl der Verkehrstoten bis 2020 um über
60 Prozent zunehmen.»
Mit knapp 90 Prozent aller Verkehrsunfälle sind die ärmeren
Länder der Welt die Hauptleittragenden. Und etwa in Asien
steigt die Zahl der Verkehrstoten drastisch. So verzeichnet allein
China seit Mitte der 70er Jahre einen Zuwachs um fast 250 Prozent.
Auf Deutschlands Straßen sterben dagegen heute deutlich
weniger Menschen. Mit 6606 sank die Zahl der Verkehrstoten im
vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit Einführung
der Statistik. Seit dem Rekordstand von 21 332 im Jahr 1970 ist
die Zahl der Verkehrstoten hier zu Lande sogar um zwei Drittel
gesunken. Dies sei vor allem der Verkehrserziehung und technischen
Neuerungen in der Automobilindustrie zu verdanken, berichtete
die Bundesvereinigung Gesundheit in Berlin.
Alarmierend sei jedoch die Häufung der Verkehrsunfälle
unter jugendlichen Fahranfängern. Jeder vierte Verkehrstote
in Deutschland stammt nach Zahlen der Vereinigung aus der Altersgruppe
zwischen 18 und 24 Jahren. Gründe für diese gehäufte
Unfallquote unter jugendlichen Fahrern seien mangelnde Fahrpraxis,
Alkohol und Drogen sowie Überschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Weltweit verlieren der WHO zufolge fast drei Mal so viele Männer
wie Frauen ihr Leben auf der Straße. Mehr als die Hälfte
der Opfer sind zwischen 15 und 44 Jahre alt. Selbst wenn ein Unfall
nicht tödlich endet, tragen viele Opfer bleibende Behinderungen
davon. «Neben dem tiefen Leid, das diese Unfälle verursachen,
verlieren Familien oftmals einen Ernährer», mahnt UN-Generalsekretär
Kofi Annan. «Wohl und Sicherheit gehen verloren.»
Außer psychologischen und physischen Belastungen führen
Kosten für Pflege und Rehabilitation Familien, Angehörige
und Partner nicht selten in die Armut.
Die jährlichen Kosten für Verkehrsverletzte belaufen
sich weltweit auf 518 Milliarden Dollar (425 Milliarden Euro).
Für die einzelnen Staaten bedeutet dies rund zwei Prozent
des Bruttosozialprodukts. Der Anteil der ertragsschwachen Länder
liegt bei 65 Milliarden Dollar (53 Milliarden Euro) - mehr, als
sie an Entwicklungshilfe erhalten.
Als gefährlichste Verkehrsmittel gelten motorisierte Zweiräder.
Das Risiko, im Straßenverkehr mit dem Motorrad tödlich
zu verunglücken ist pro gefahrenem Kilometer zwanzig Mal
höher als in einem Auto. Nicht viel weniger gefährdet
sind Fußgänger und Radfahrer, ihr Risiko liegt acht
bis neun Mal höher als bei Autofahrern.
Frankreich mit Paris als Austräger des diesjährigen
Weltgesundheitstages, hat dagegen in den vergangenen Jahren einen
enormen Rückgang an Verkehrstoten verzeichnen können.
Höher gesteckte Sicherheitsziele und Verkehrsstandards halbierten
die Zahl der Verkehrstoten seit 1997. Frankreichs Präsident
Jacques Chirac sieht trotz der Erfolge die globalen Verkehrssicherheitsbemühungen
noch am Anfang: «Großes menschliches Potenzial wird
täglich durch Unfälle im Straßenverkehr zerstört.
Zusammen müssen wir den Kampf um dieses Leben gewinnen.»
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