HCH: Endstation Kälte für Chlorchemikalie
Eine viele Jahre als Pestizid eingesetzte Chlorverbindung
reichert sich nun im kühlen Osten Nordamerikas an.
(jkm) - Die Anreicherung des Pestizids zeigen großangelegte
Luftuntersuchungen, die kanadische Chemiker durchgeführt
haben. Zuletzt in Südostasien im großen Maßstab
ausgebracht, wird die Verbindung mit Wind und Meeresströmungen
durch den indischen Ozean, um Afrika herum und im atlantischen
Ozean gen Norden verfrachtet. Dort verhindern die kühlen
Temperaturen sowohl den Weitertransport als auch den Abbau.
"Die arktische See trägt einen 'Topfdeckel' in Form
einer Eisdecke", erläutert Frank Wania von der University
of Toronto in Scarborough. "Im Laufe der letzten 20 Jahre
fungierte sie als eine Art Kühlschrank und konservierte die
ins atlantische Kanada transportierte Chemikalie." Bei der
Verbindung handelt es sich um das alpha-Hexachlorcyclohexan (alpha-HCH).
Es fällt gemeinsam mit anderen HCH-Formen bei der Herstellung
des Insektizids Lindan an, wirkt stark giftig auf Wasserorganismen
und schädigt beim Menschen auf lange Sicht Leber, Nieren
und Nervensystem.
Wania und sein Team errichteten Reihen einfacher Messstationen,
die sich in Nordsüd- und Ostwest-Richtung über Nordamerika
ziehen. Darin enthaltene Polymerharz-Kügelchen binden in
der Luft transportierte Verbindungen. Die Analyse dieser Fracht
erlaubt Aufschlüsse über Transport und Anreicherung
von Schadstoffen in Abhängigkeit von geographischen Faktoren.
Wie die Forscher im Fachblatt "Environmental Science &
Technology" berichten, fanden sie hohe Konzentrationen von
alpha-HCH über Neuschottland und Neufundland an der kanadischen
Atlantikküste.
Obwohl nur Lindan (gamma-HCH) insektizid wirkt, wurde lange Zeit
das gesamte bei der Lindanherstellung anfallende HCH-Gemisch gegen
Schadinsekten in der Landwirtschaft eingesetzt. In Westeuropa
und den USA wurde die Anwendung dieses "technischen HCH"
in den 70er-Jahren verboten, vor allem in China und Indien aber
fortgesetzt.
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