Lachse wechseln Sehproteine
Mit einem erstaunlichen Seh-Trick können
junge Lachse aufwarten, haben kanadische Biologen entdeckt.
(jkm) - Wenn die Tiere ihren Lebensraum in größere
Tiefen verlegen, passen sie die Farbempfindlichkeit ihrer Augen
an. Dies geschieht, indem sie völlig neue Sehproteine bilden.
Die für das Farbensehen verantwortlichen Lichtrezeptoren
in der Netzhaut von Wirbeltieren, die Zapfen, arbeiten mit unterschiedlichen
Sehpigmenten. Diese bestehen aus großen Opsin-Proteinen,
an die ein Abkömmling von Vitamin A gebunden ist. Bemerkenswert
flexibel scheint dieses Arrangement bei jungen Buckellachsen zu
sein, berichten Christiana Cheng und Iñigo Novales Flamarique
von der Simon Fraser University, Burnaby, im Magazin "Nature".
Kurz nach dem Schlüpfen der Tiere beginnen ihre Zapfen,
die alten Opsin-Proteine nach und nach durch einen neuen Typ zu
ersetzen. Damit verschiebt sich ihre größte Empfindlichkeit
vom Ultravioletten mit Wellenlängen um 370 Nanometer zum
Blauen mit Wellenlängen um 430 Nanometer. Bislang war lediglich
bekannt, dass manche Tiere das Vitamin-A-Derivat wechseln können
oder die Zahl bestimmter Zapfentypen in der Netzhaut reduzieren.
"Der Übergang steht in Verbindung mit einem allmählichen
Wandel der Lebensweise", schreiben Cheng und Novales Flamarique.
Anfänglich Planktonfresser in geringen Tiefen mit einem hohen
Anteil von UV-Licht, entwickelten sich die jungen Lachse zu Fischjägern
in größeren Tiefen mit überwiegend blau-grünem
Licht. "Ein solcher Mechanismus der zeitlichen Modulation
des Farbsehens könnte weit verbreitet sein", vermuten
die Biologen.
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