Eizellen werden laufend neu gebildet
Die biologische Uhr der Frau tickt anders als
bislang angenommen, sind amerikanische Forscher überzeugt.
(jkm) - Den Untersuchungen der Wissenschaftler zufolge werden
weibliche Säuger nicht etwa mit einem fixen Vorrat an Eizellen
geboren, dessen Erschöpfung die Wechseljahre einleitet. Vielmehr
bilden Stammzellen in den Eierstöcken auch im Erwachsenenalter
laufend neue Eizellen.
"Wenn diese Resultate auch auf den Menschen zutreffen, müssen
sämtliche Theorien über das Altern des weiblichen Fortpflanzungssystems
überdacht werden", so Jonathan Tilly von der Harvard
University in Boston, Massachusetts, mit Verweis auf das 50 Jahre
alte "Dogma" der festen Eizellzahl. Die Abkehr von diesem
Dogma könnte neue Wege eröffnen, Unfruchtbarkeit durch
Chemotherapie oder Giftstoffe in der Umwelt zu verhindern, hofft
der Biologe.
Tilly und sein Team zählten intakte und absterbende Follikel
- Eizellen samt einem "Hofstaat" aus Nährzellen
- in den Eierstöcken unterschiedlich alter Mäuse. Erwartungsgemäß
nahm die Zahl intakter Follikel mit der Zeit ab, berichtet die
Gruppe im Fachmagazin "Nature". Dieser Rückgang
war jedoch sehr viel langsamer, als die Zahl absterbender Follikel
vermuten ließ. Offenbar produzierten die Eierstöcke
laufend neue Follikel.
"Bis jetzt hatte niemand versucht, die tatsächliche
Abbaurate von Eizellen bzw. Follikeln zu ermitteln, weil das Dogma
derart überzeugend war", erläutert Tilly. Weitere
Befunde erhärteten den Verdacht. So fanden die Mediziner
und Biologen in der äußersten Zellschicht der Eierstöcke
einige Zellen, die große Ähnlichkeit mit Stammzellen
aufweisen und sich häufig teilen. Dementsprechend ging der
Follikelvorrat von Mäusen, die ein Stammzellgift erhalten
hatten, drastisch zurück.
Einige Erbkrankheiten, beispielsweise das Down-Syndrom, treten
umso häufiger auf, je älter die Mutter ist. Als Ursache
wurde vermutet, dass die seit vielen Jahren auf ihren Einsatz
harrenden Eizellen immer mehr Erbgutfehler anhäufen. Offenbar
sei die Ursache eher in den alternden Stammzellen zu suchen, so
Tilly. "Dies ist eine grundlegende biologische Entdeckung,
die alles in unserem Arbeitsgebiet verändern könnte."
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