Alkohol: Männer und Frauen trinken unterschiedlich
Die Bedingungen am Arbeitsplatz können
den Griff zur Flasche begünstigen. Bei Männern und Frauen
scheinen jedoch unterschiedliche Faktoren den Ausschlag zu geben.
(jkm) Wie eine britisch-deutsche Forschergruppe ermittelt hat,
sind Frauen demnach häufiger alkoholabhängig, wenn sie
Führungspositionen innehaben. Männer trinken dagegen,
wenn ihr Einsatz nicht ausreichend gewürdigt wird.
Die Gruppe um Jenny Head vom University College London verfolgte
über mehrere Jahre den Werdegang von mehreren Tausend britischen
Regierungsangestellten. In Fragebögen und Gesprächen
gaben diese unter anderem Auskunft über ihren Alkoholkonsum,
über das Verhältnis zu ihren Kollegen und darüber,
wie sehr sie durch ihre Tätigkeit gefordert wurden.
Wie die Forscher im Fachblatt "Occupational and Environmental
Medicine" berichten, stieg die Häufigkeit von Alkoholproblemen
bei den Frauen mit der Position in der Personalhierarchie: Auf
den untersten Ebenen, beispielsweise einfache Büroangestellte,
waren 4 Prozent alkoholabhängig, auf den obersten Ebenen,
etwa Abteilungsleiterinnen, dagegen 14 Prozent. Bei den Männern
betrug die Häufigkeit auf allen Ebenen 10 bis 12 Prozent.
Bei ihnen schien dagegen entscheidend zu sein, wie gut sich persönlicher
Einsatz und "Belohnung", sei es in finanzieller Form
oder etwa durch eine hohe Wertschätzung, die Waage hielten.
Wurde ein hoher Einsatz am Arbeitsplatz kaum honoriert, verdoppelte
sich die Häufigkeit von Alkoholproblemen bei Männern.
Eine hohe Arbeitsbelastung oder geringe Unterstützung aus
dem Kollegenkreis allein schienen dagegen kaum zum Trinken zu
verleiten.
|