Strom aus Abwasser
Mikroben, die die Abwässer in Kläranlagen
reinigen, könnten nebenbei auch Strom erzeugen, meinen amerikanische
Forscher.
(jkm) - In Kläranlagen werden seit langem Mikroben zur Abwasserreinigung
eingespannt. Ganz nebenbei lässt sich dieser Prozess auch
zur Stromerzeugung nutzen, haben amerikanische Wissenschaftler
ermittelt. Ihre mikrobielle Brennstoffzelle stellen sie im Fachblatt
"Environmental Science & Technology" vor.
"Wenn die Leistung solcher Systeme noch weiter gesteigert
werden kann, könnte mikrobielle Brennstoffzellen-Technik
die Betriebskosten von Kläranlagen senken und fortgeschrittene
Klärtechniken in Entwicklungs- und Industrieländern
erschwinglicher machen", schreiben die Forscher um Bruce
Logan von der Pennsylvania State University. Zuvor müssten
allerdings die Materialkosten für die Brennstoffzelle selbst
noch gesenkt werden.
Die neue Mikroben-Brennstoffzelle besteht aus einem Plexiglaszylinder,
durch den Abwasser gepumpt wird. Auf Graphitstäben in dem
Zylinder siedeln Bakterien, zersetzen im Abwasser enthaltene organische
Moleküle, und übertragen dabei Elektronen auf das Graphit.
Die Elektronen fließen über einen äußeren
Stromkreis zu einer hohlen Elektrode in der Mitte des Zylinders,
die von einer Membran umgeben ist und von Luft durchströmt
wird. Dort reagieren sie mit Wasserstoff-Ionen, die ebenfalls
aus dem Stoffwechsel der Bakterien stammen, und Sauerstoff zu
Wasser.
Da die Elektronen auf dem Weg zum Sauerstoff ein Energie-Gefälle
hinabrauschen, können sie Arbeit verrichten - ähnlich
Wasser in den Turbinen eines Wasserkraftwerks. Wie die Forscher
berichten, liefern ihre Abwasser-Brennstoffzellen pro Quadratmeter
Elektrodenoberfläche bis zu 50 Milliwatt Leistung und entfernen
gleichzeitig gut 80 Prozent der organischen Moleküle aus
dem Abwasser. Ähnliche Versuche waren bereits mit Glucose-
und Ethanollösungen und sogar mit Schlick durchgeführt
worden. "Aber noch niemand hat dies mit Haushaltsabwasser
versucht", so Logan. "Wir nutzen etwas, was man für
vollkommen nutzlos gehalten hat."
|