Gentherapie lässt Muskeln wachsen
Ein gentherapeutisches Verfahren zum Muskelaufbau
lässt Patienten mit Muskelschwäche hoffen - es könnte
aber auch ein kaum nachweisbares Doping ermöglichen.
(jkm) - Muskeln sprechen besser auf Training an, wenn man ihnen
zuvor das Gen für ein Wachstumshormon injiziert hat. Entsprechende
Versuche haben amerikanische Physiologen an Ratten durchgeführt.
Vielleicht könnten auch Patienten mit Muskelschwäche
auf diese Weise behandelt werden, so die Forscher. Allerdings
würde die Technik auch ein kaum nachweisbares Doping ermöglichen.
Lee Sweeney von der University of Pennsylvania, Philadelphia,
und seine Kollegen spritzten ein Virus, in das sie das Gen für
den Wachstumsfaktor IGF-I eingebaut hatten, in den Hinterbeinbeuger
von Ratten. Absolvierten die Tiere dann ein achtwöchiges
Krafttraining in Form von Leiterklettern, stiegen Masse und maximale
Zugspannung des Muskels um gut 30 Prozent an.
Training bzw. Gen allein ließen den Muskel nur um 23 bzw.
15 Prozent anschwellen, berichten die Forscher im "Journal
of Applied Physiology" und auf der Jahrestagung der Wissenschaftsorganisation
AAAS in Seattle. Ihrer Ansicht nach hatte der von einigen Muskelzellen
zusätzlich produzierte Wachstumsfaktor die Teilung und Differenzierung
von Satellitenzellen angeregt, den Vorläuferzellen der Muskelfaserzellen.
Und wurden die Tiere ihrer Trainingsmöglichkeit beraubt,
verloren die behandelten Muskeln nur halb so viel Masse wie die
unbehandelten.
Die Methode könnte eine neue Runde im Kampf zwischen Dopingfahndern
und Dopingsündern einläuten, so Richard Pound von der
World Anti-Doping Agency auf der Tagung in Seattle. Die Behandlung
sei mit derzeitigen Methoden, etwa durch Blut- und Urinanalysen,
kaum nachweisbar. Was das genetische Doping angehe, befinde man
sich in einer ähnlichen Situation wie vor drei bis vier Jahrzehnten:
Damals habe es kaum Nachweismethoden oder Vorschriften für
"herkömmliche" Dopingmittel gegeben.
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