vista verde SucheNewsForumAktion

v i s t a   v e r d e   n e w s   -  W i s s e n s c h a f t   &   T e c h n i k

News - Seite 1Politik
Natur und Artenvielfalt
Wissenschaft und Technik
Wirtschaft und Energie

- 12.02.2004 -

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Südkorea: Forscher klonen menschliche Embryonen für Medizin

Südkoreanische Forscher haben weltweit erstmals menschliche Stammzellen aus einem Klon-Embryo gewonnen.

Washington/Seoul (dpa) - Derartige Zellen sollen künftig schwere Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer heilen oder zerstörtes Herzmuskelgewebe ersetzen. Aus einem der 30 geklonten Embryonen gingen sogar schon Vorstufen von Nerven, Muskeln, Bindegewebe und Knorpel hervor. Die Wissenschaftler aus Südkorea und den USA stellen ihre Arbeit in der Onlineausgabe des US- Fachjournals «Science» vom Freitag vor.

Die Methode öffne eine Tür, um diese speziellen Zellen in der Transplantationsmedizin zu nutzen, sagte der Tiermediziner Woo Suk Hwang von der Seouler Nationaluniversität. Durch dieses so genannte therapeutische Klonen hoffen Forscher, Gewebe mit passenden Erbmerkmalen zu gewinnen, das nicht vom Patienten abgestoßen wird. Laut Hwang ist es im Zuge der Arbeit überhaupt zum ersten Mal gelungen, menschliche Stammzellen zu Nervenzellen werden zu lassen.

Auch nach diesen neuen Erfolgen für die Stammzellforschung schloss Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) jedoch eine Gesetzesänderung klar aus. «Das therapeutische Klonen ist in Deutschland verboten und wird auch verboten bleiben», sagte Bulmahn der «Berliner Zeitung» (Freitag).

Befürworter der Embryonenforschung forderten dagegen Lockerungen, zumindest wenn mit diesen Methoden einmal Kranke geheilt werden könnten. «Wenn die Forschung Therapiechancen für kranke Menschen eröffnet, müssen wir diese auch nutzen», sagte die Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, Ulrike Flach (FDP). In den USA und Großbritannien ist das therapeutische Klonen erlaubt.

Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe forderte, die Herstellung menschlicher Embryonen weltweit zu ächten. «Die Forscher dürfen sich nicht zu Herren über Leben und Tod menschlicher Embryonen machen», sagte Hoppe. Zudem forderte er, zügig ein internationales Klonverbot zu erlassen. Man dürfe es nicht erlauben, «dass Embryonen als Rohstofflieferanten gezüchtet werden». Die Vereinten Nationen hatten die Entscheidung über ein Klonverbot im November um zwei Jahre vertagt, weil sich die Staaten nicht über den Umfang einigen konnten.

Der Entwicklungsbiologe Davor Solter vom Max-Planck-Institut für Immunologie in Freiburg betonte, die Experimente in Südkorea bedeuteten noch lange nicht, dass das Klonen eines Babys möglich sei. «Es ist ein großer Unterschied, einen Embryo oder ein Baby herzustellen.» Ein Klonbaby sei durch die Experimente auch nicht wahrscheinlicher geworden.

Für die südkoreanische Arbeit hatten 16 Frauen freiwillig 242 Eizellen und weitere Eierstockzellen gespendet. Die Forscher nutzten für die Versuche 176 Eizellen. Sie setzten Erbmaterial aus den Hüllzellen der weiblichen Eizelle (Kumuluszellen) in die zuvor entkernten Eizellen ein. Daraus gingen 30 frühe Embryostadien (Blastozysten) hervor. Aus einem davon gewannen die Forscher schließlich eine Stammzelllinie. Die Stammzellen haben dasselbe Erbmaterial wie die Frau, von der Eizellen und Kumuluszellen stammen.

Der Bonner Neurowissenschaftler Oliver Brüstle glaubt nicht, dass aus Stammzellen von geklonten Embryonen eines Tagen Ersatzgewebe für Patienten gewonnen wird. Es gebe bei dem Verfahren ethische Bedenken, zudem seien auch die medizinischen Risiken zu hoch. Die Zellen könnten sich beispielsweise im Körper unvorhersagbar verändern. Zudem betrachtet der Bonner Forscher die erforderliche Eizellspende als ethisch bedenklich und logistisch schwierig. Der Neuropathologe setzt eher auf Stammzelllinien von Embryonen, die bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind. Weltweit sind bereits mehrere Dutzend solcher Zelllinien verfügbar.

Eine wissenschaftliche Überraschung ist das Ergebnis keinesfalls. Ähnliche Versuche waren im Tierversuch bereits gelungen. Einige Teams hatten auch bereits menschliche Embryonen geklont. Aus Eizellen von Kühen, in die Erbgut menschlicher Hautzellen geschleust wurde, hatten Forscher auch schon Stammzellen entwickelt.

Rudolf Jaenisch vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) nannte die Arbeit einen wichtigen Schritt vorwärts, verwies aber auf eine wichtige Einschränkung: Weil Eizelle und Erbmaterial von derselben Frau stammten, können die Forscher nicht ausschließen, dass der Embryo durch Jungfernzeugung entstanden ist, also durch Teilung der genutzten Eizelle.

Das Unternehmen Clonaid nutzte die Aufmerksamkeit um die Geburt eines sechsten angeblichen Klonbabys zu verkünden. Der Junge sei nach Angaben des Unternehmens am 5. Februar in Sydney zur Welt gekommen, berichtete die australische Nachrichtenagentur AAP. Die Firma hatte allerdings noch für keines ihrer angekündigten Klonbabys einen Beweis geliefert.

 

 Mehr Informationen:

Bundestags-Enquetekommission "Ethik und Recht der modernen Medizin"

Nationaler Ethikrat

EKD: Bioethik

Quarks & Co: Gene und Klonen - einfach erklärt

Dossier Stammzellen

vista verde: Gentechnik

 

 Lesen Sie auch:

Eve: Geschichte von erstem Klonkind nur noch Schall und Rauch

Hoffnung der Medizin oder ethisches Tabu: ein Jahr Stammzellen-Import

Mäuse: Aus Stammzellen werden zeugungsfähige Spermien

"Dolly"-Schöpfer: Sicheres Klonen von Menschen derzeit unmöglich

Italien: Erstes Klon-Pferd geboren

Gentechnik: Deutsche Forscher treiben therapeutisches Klonen voran

Klonen: Einzelnes Gen erklärt Fehlschläge

zurück zur vorherigen Seite    nach oben

News: Seite 1 | Politik | Natur | Wissenschaft| Wirtschaft
Rubriken: Home | Suche | News | Forum | Aktion
vista verde: Impressum | Hilfe | Werbung

 

© vista verde 2004
Alle Rechte vorbehalten
Jede Vervielfältigung - auch auszugsweise - bedarf der Genehmigung