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- 10.02.2004 -

 

 

 

 


 

Heilpflanzen:

Warum Baldrian beruhigt

Pharmazeuten der Universität Bonn haben ermittelt, warum Baldrian beruhigt und den Schlaf fördert.

(jkm) - Die Wissenschaftler identifizierten einen Inhaltsstoff aus der Gruppe der Lignane, der an jene Rezeptoren im Gehirn bindet, die den Wach-Schlaf-Rhythmus steuern. Die Forscher hoffen, den Wirkstoff chemisch nachbauen und dabei noch effektiver machen zu können.

Im Gehirn wirken verschiedene Müdemacher; einer davon ist der Botenstoff GABA. Bislang vermutete man, dass Baldrian irgendwie in den GABA-Regelkreis eingreift. Dabei gibt es auch noch ein ganz anderes "Müdigkeits-Molekül", das Adenosin. Das Molekül bindet an bestimmte Nervenzell-Rezeptoren, die Adenosin-Rezeptoren vom Typ A1. Damit setzt es eine Kettenreaktion in Gang und macht letztlich schläfrig.

Als die Bonner Forscherin Christa Müller auf eine Publikation stieß, in der beschrieben wurde, dass Baldrian-Extrakt an Adenosin-Rezeptoren binden kann, wurde sie hellhörig. "Wir wiederholten die Versuche und konnten bestätigen, dass wässrig-alkoholische Vollextrakte aus der Baldrianwurzel zumindest im Gehirn von Ratten an den A1-Rezeptor binden können. Außerdem konnten wir erstmals zeigen, dass der Extrakt die Rezeptoren aktiviert, ähnlich wie Adenosin. Versuche mit gentechnisch produzierten menschlichen Rezeptoren ergaben ein ähnliches Ergebnis", berichtet die Forscherin.

Marburger Wissenschaftler hatten bereits nachgewiesen, dass Baldrian verschiedene Verbindungen aus der Gruppe der Lignane enthält. Lignane sind Naturstoffe, die in vielen höheren Pflanzen vorkommen. Bei der Analyse der Lignan-Fraktionen entdeckte Müller jetzt eine bislang unbekannte Verbindung, die an den A1-Rezeptor andocken kann und dort eine ähnliche Reaktion hervorruft wie Adenosin. Spezielle Transportmoleküle scheinen zudem dafür zu sorgen, dass das Lignan besonders gut ins Gehirn gelangt.

Warum sich das Lignan überhaupt mit dem A1-Rezeptor verträgt, ist aber noch völlig unklar. Die Substanz habe kaum Ähnlichkeit mit Adenosin, so die Forscherin.

 


Foto: Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, Karlsruhe

Die Wirksubstanzen stecken in den Wurzeln der Baldrian-Pflanze.


 Mehr Informationen:

Universität Bonn

Baldrian

 

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