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1918: Grippevirus sprang vom Vogel auf
den Menschen
Die Spanische Grippe, die 1918
mindestens 20 Millionen Menschen tötete, ist nach neuen Erkenntnissen
aus einem Vogelgrippe-Virus hervorgegangen.
(jkm) - Der "Spanischen Grippe"
fielen im Jahr 1918 weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen
zum Opfer. Der Erreger war so gefährlich, weil er wahrscheinlich
ohne Umwege von Vögeln auf Menschen springen konnte. Das
lassen die Ergebnisse zweier Forschergruppen vermuten, die das
historische Virus untersucht haben. Ihre Arbeiten stellen sie
in der Online-Ausgabe von "Science" vor.
Auch in den Jahren 1957 und 1968
konnten sich Grippewellen weltweit ausbreiten. Doch in beiden
Fällen nahm das Virus Umwege über Schweine und andere
Tiere und mutierte dabei in weniger gefährliche Unterarten.
Im Jahr 1918 jedoch war das Virus so aggressiv, dass in einigen
Regionen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung an der Infektion
verstarben. In Deutschland erlagen über 200.000 Menschen
der Grippewelle. Den Menschen blieb die Katastrophe damals rätselhaft
- Viren wurden erst in den 1930er Jahren als Grippeauslöser
identifiziert.
Warum sich eine derartig schwere
Epidemie entwickeln konnte, haben zwei Forscherteams jetzt aufgeklärt.
Sowohl die Gruppe um Steve Gamblin am MRC National Institute for
Medical Research in London als auch das Team von James Stevens
vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, analysierten
die Proteine auf der Oberfläche des Virus. Die Proben des
historischen Erregers stammen von damaligen Armee-Angehörigen
und einem weiblichen Grippe-Opfer der Inuit, die im dauerhaft
gefrorenen Boden Alaskas bestattet worden war.
Aus den Proben konnten die Forscher
das Protein Hämagglutinin rekonstruieren, mit dessen Hilfe
die Viren in den menschlichen Atemwegszellen ankoppeln können.
Im Vergleich zu verschiedenen Grippeviren, die Menschen, Schweine
und Vögel befallen, weist der tödliche 1918er-Stamm
zu Vogelviren die meisten Ähnlichkeiten auf. "Es sieht
nach einem Vogelvirus aus - mit einigen menschlichen Merkmalen",
sagt Ian Wilson vom Scripps Research Institute. Entscheidend sei,
dass die Reihenfolge der Aminosäuren auf der Oberfläche
des Proteins perfekt zu Rezeptoren auf den menschlichen Atemwegszellen
gepasst hätten.
Eine direkte Übertragung
vom Vogel auf den Mensch sei äußerst selten, besitze
aber gerade deshalb tödliches Potenzial, sagen die Forscher.
Das menschliche Immunsystem habe den Erreger nicht identifizieren
können und so die Gefahr nicht erkannt. Gerade die Körperabwehr
junger Menschen habe nicht über ausreichende Erfahrungen
mit Grippeviren verfügt. Deshalb habe es 1918 unter infizierten
Patienten zwischen 15 und 34 Jahren die meisten Todesfälle
gegeben.
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