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- 06.02.2004 -

 

 


 

1918: Grippevirus sprang vom Vogel auf den Menschen

Die Spanische Grippe, die 1918 mindestens 20 Millionen Menschen tötete, ist nach neuen Erkenntnissen aus einem Vogelgrippe-Virus hervorgegangen.

(jkm) - Der "Spanischen Grippe" fielen im Jahr 1918 weltweit zwischen 20 und 40 Millionen Menschen zum Opfer. Der Erreger war so gefährlich, weil er wahrscheinlich ohne Umwege von Vögeln auf Menschen springen konnte. Das lassen die Ergebnisse zweier Forschergruppen vermuten, die das historische Virus untersucht haben. Ihre Arbeiten stellen sie in der Online-Ausgabe von "Science" vor.

Auch in den Jahren 1957 und 1968 konnten sich Grippewellen weltweit ausbreiten. Doch in beiden Fällen nahm das Virus Umwege über Schweine und andere Tiere und mutierte dabei in weniger gefährliche Unterarten. Im Jahr 1918 jedoch war das Virus so aggressiv, dass in einigen Regionen bis zu 70 Prozent der Bevölkerung an der Infektion verstarben. In Deutschland erlagen über 200.000 Menschen der Grippewelle. Den Menschen blieb die Katastrophe damals rätselhaft - Viren wurden erst in den 1930er Jahren als Grippeauslöser identifiziert.

Warum sich eine derartig schwere Epidemie entwickeln konnte, haben zwei Forscherteams jetzt aufgeklärt. Sowohl die Gruppe um Steve Gamblin am MRC National Institute for Medical Research in London als auch das Team von James Stevens vom Scripps Research Institute in La Jolla, Kalifornien, analysierten die Proteine auf der Oberfläche des Virus. Die Proben des historischen Erregers stammen von damaligen Armee-Angehörigen und einem weiblichen Grippe-Opfer der Inuit, die im dauerhaft gefrorenen Boden Alaskas bestattet worden war.

Aus den Proben konnten die Forscher das Protein Hämagglutinin rekonstruieren, mit dessen Hilfe die Viren in den menschlichen Atemwegszellen ankoppeln können. Im Vergleich zu verschiedenen Grippeviren, die Menschen, Schweine und Vögel befallen, weist der tödliche 1918er-Stamm zu Vogelviren die meisten Ähnlichkeiten auf. "Es sieht nach einem Vogelvirus aus - mit einigen menschlichen Merkmalen", sagt Ian Wilson vom Scripps Research Institute. Entscheidend sei, dass die Reihenfolge der Aminosäuren auf der Oberfläche des Proteins perfekt zu Rezeptoren auf den menschlichen Atemwegszellen gepasst hätten.

Eine direkte Übertragung vom Vogel auf den Mensch sei äußerst selten, besitze aber gerade deshalb tödliches Potenzial, sagen die Forscher. Das menschliche Immunsystem habe den Erreger nicht identifizieren können und so die Gefahr nicht erkannt. Gerade die Körperabwehr junger Menschen habe nicht über ausreichende Erfahrungen mit Grippeviren verfügt. Deshalb habe es 1918 unter infizierten Patienten zwischen 15 und 34 Jahren die meisten Todesfälle gegeben.

 

 Mehr Informationen:

Howard Hughes Medical Institute

Grippe-Infos vom Robert Koch-Institut

Arbeitsgemeinschaft Influenza

Quarks&Co: Wann kommt die Killer-Grippe?

 

 Lesen Sie auch:

Vogelgrippe: Ansteckung durch Katzen?

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