|
Gletscher:
Schmelzschutz für den Kilimandscharo?
Das Eis auf dem Gipfel des
Kilimandscharo könnte schon in wenigen Jahren komplett abgeschmolzen
sein. Ein Klimaforscher will den Berggipfel mit Plastikfolie umhüllen,
um das Eis zu retten.
(jkm) - Die globale Erwärmung
lässt nicht nur die Alpengletscher schwinden. Auch das Eis
auf dem Gipfel des Kilimandscharo wird in spätestens zwanzig
Jahren geschmolzen sein. Der Klimaforscher Euan Nisbet von der
Royal Holloway University of London will das verhindern. Er schlägt
vor, die bedrohten Gletscher mit reflektierender Plastikfolie
abzudecken.
Die Eisdecke sei mehr als nur
das Wahrzeichen von Afrikas höchstem Berg, argumentiert Nisbet.
In den Gletschern habe sich über Jahrtausende ein Klimaarchiv
abgelagert, das für die Rekonstruktion der afrikanischen
Klimageschichte wichtig sei. "Wenn das Eis verschwindet,
werden wir einige wirklich kostbare Informationen über die
jüngste Vergangenheit verlieren", sagte der Forscher
der Online-Ausgabe von "Nature".
Dass im Eis tatsächlich viele
Informationen stecken, hatte ein Forscherteam um Lonnie Thompson
von der Ohio State University im Jahr 2000 nachgewiesen. Die Wissenschaftler
sammelten am Kilimandscharo Eis-Proben und konnten daraus das
Alter der Gletscher auf rund 11.700 Jahre schätzen. Das Eis
verriet zudem, dass Nordafrika vor rund 8.300, 5.200 und 4.000
Jahren von harten Dürre-Perioden heimgesucht wurde.
Wegen der globalen Erwärmung
schmelze das Klimaarchiv allerdings in schnellem Tempo, schrieben
die Forscher im Jahr 2002 im Magazin "Science". Das
letzte Weiß werde zwischen 2015 und 2020 verschwinden, sagten
sie voraus.

© ArtToday
Der Kilimandscharo
in Tansania ist mit 5.895 Metern der höchste Berg
Afrikas.
|
Nisbet glaubt, die Schmelze könne
durch weiße Folie, die die wärmenden Sonnenstrahlen
reflektiert, gestoppt werden. Dadurch habe man genügend Zeit,
die einst großflächigen Wälder am Fuße des
Kilimandscharo wieder aufzuforsten. Die Abholzung dieser Wälder
hat neben der globalen Erwärmung mit dazu beigetragen, das
Eis schwinden zu lassen.
Ausgedehnte Waldgebiete würden
Feuchtigkeit liefern, die vom Fuße des Berges aufsteigen
und sich auf dem Gipfel als Eis ablagern könnte. Dadurch
würden die Gletscher mit Wasser aufgefüllt; ihr Klimaarchiv
würde nicht mehr ungeschützt verdunsten.
Ob Plastikplanen den Schwund stoppen
können, wird allerdings von vielen Kollegen Nisbets bezweifelt.
Klimaforscher Doug Hardy von der University of Massachusetts Amherst
befürchtet sogar, eine abdeckende Folie könne wie eine
Heizdecke wirken und das Eis noch schneller schwinden lassen.
Und Lonnie Thompson kommentiert: "Meiner Meinung nach werden
wir die Gletscher so oder so verlieren. Die Natur besitzt eine
gewaltige Kraft und lässt sich nicht bremsen, wenn sie erst
einmal in Bewegung gekommen ist."
|