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Sinne: Hören hilft Sehen
Auch beim Menschen kooperieren
die verschiedenen Sinne. Das Ohr kann schon bei mäßig
beeinträchtigter Sicht dem Auge helfen.
(jkm) - Mit Hilfe des Gehörs
kann ein Objekt selbst bei eingeschränktem Sehvermögen
erstaunlich gut geortet werden, haben amerikanische Neurowissenschafter
entdeckt. Vermutlich sei dieser aus Tierversuchen bekannte Effekt
beim Menschen bislang nicht aufgefallen, da das menschliche Sehsystem
normalerweise zu genau arbeite.
"Lange Zeit gingen Neurowissenschaftler
davon aus, dass das Gehirn Bereiche für das Sehen, Bereiche
für das Hören und Bereiche für den Tastsinn besitzt",
sagt Mark Wallace von der Wake Forest University in Winston-Salem,
North Carolina. "Nun lernen wir allmählich, dass diese
Bereiche sich untereinander austauschen und dass, wenn ein Bereich
schlecht arbeitet, die anderen einspringen können."
Wallace und seine Kollegen setzten
normalsichtige Versuchsteilnehmer in einen dunklen Raum, in dem
gelegentlich Lichter aufleuchteten. Mühelos orteten die Probanden
die Position der Lichtquellen. Gaben diese zusätzlich Töne
von sich, erhöhte dies die Treffgenauigkeit nicht weiter,
berichten die Forscher auf der Jahresversammlung der Society for
Neuroscience in New Orleans. Das änderte sich jedoch, wenn
sie ihre Probanden durch Brillen mit sechs Dioptrien stark kurzsichtig
machten: Die Ortungsfähigkeit ließ drastisch nach,
konnte durch die zusätzlichen Töne jedoch wieder auf
das vorherige Niveau gehoben werden.
Die Resultate zeigen laut Wallace,
dass das Gehör schon bei mäßig beeinträchtigter
Sicht helfen kann und dass dieser Effekt umgehend eintritt - anders
als etwa bei Blinden, die über längere Zeit ein feineres
Gehör entwickeln. "Vielleicht könnten wir das Ausmaß
der Behinderung bei Menschen mit Sehproblemen [...] reduzieren,
indem ihnen beibringen, beide Sinne einzusetzen", so der
Forscher.
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