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Studie warnt vor Risiken: Inflation der
Mikrochips im Alltag
Laut einer Studie von Zukunftsforschern
steht eine inflationäre Vermehrung der Mikrochips bevor.
Ungeheure Mengen der Chips dringen immer tiefer in den Alltag
ein und verändern ihn.
Von Hans-Rüdiger Bein, dpa
Berlin (dpa) - Der Kühlschrank
der Zukunft denkt mit. Eingebaute Mikrochips lesen Verfallsdaten
von so genannten schlauen Etiketten der Wurst- oder Käsepackungen.
Der Verbraucher erfährt aus dem Dunkel des Küchengeräts
via Internet: Salami und Edamer sofort verbrauchen und durch Neuware
ersetzen. Doch das ist nur die harmlose und für manch schussligen
Verbraucher segensreiche Folge des unaufhaltsamen Siegeszuges
von Milliarden Mikrochips.
Laut einer Studie von Zukunftsforschern
aus Berlin und Bern steht eine inflationäre Vermehrung der
immer winzigeren technischen Wunderwerke bevor. Ungeheure Mengen
der Chips dringen immer tiefer in den Alltag ein und verändern
ihn.

© ArtToday
Analog gegen
digital: Ungeheure Mengen an Mikrochips dringen immer
tiefer in den Alltag ein und verändern ihn.
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«Die Durchdringung unseres
Alltags mit so genannten schlauen Gegenständen könnte
unser Leben weitaus mehr verändern als es das Internet bereits
getan hat», sagte Siegfried Behrendt vom Berliner Institut
für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT). Das IZT
hatte gemeinsam mit dem Schweizer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung
eine Studie zu diesem Themenbereich erstellt.
IZT-Leiter Rolf Kreibich warnt
eindringlich vor den Gefahren durch eine kaum steuerbare Zunahme
von Strahlungsquellen mit bedrohlichen Folgen für die Gesundheit.
Im sozialen Bereich drohe eine dramatische Zunahme der Spaltung
der Gesellschaft in Nutzer mit klaren Vorteilen und in von der
Entwicklung völlig abgehängte Bevölkerungskreise.
Der 350-seitigen Studie zufolge
wird es schon in den kommenden zehn Jahren «eine riesige
Zahl von mit Elektronik durchsetzten Gegenständen»
geben. Wie bei Tieren etwa zum Auffinden von ausgebüxten
oder gestohlenen Hunden und Katzen schon üblich, könnten
bald auch Menschen «mit Mikroprozessoren bestückt»
werden. Unter die Haut implantierte Mikrochips dürften möglicherweise
bei Entführungsfällen hilfreich für die Fahndungsmaßnahmen
der Polizei werden. Ein Missbrauch der Sensorensignale könne
jedoch zur völligen Auflösung jeder Privatheit führen.
Die Überwachung von Bewegungsprofilen und die digitale Bevormundung
könnten gefährliche Folgen für die gesamte freiheitliche
Gesellschaft haben, sagen die Forscher.
Mit Sicherheit werde praktisch
für alle Menschen die gesundheitliche Belastung durch eine
künftig enorm höhere Zahl von Strahlungsquellen zunehmen.
Weil die Mikrochips der Zukunft mit drahtlosem Datenaustausch
als «Funkchips» komplett vernetzt würden, steige
die schon beim Handy umstrittene Strahlenfrequenz für den
einzelnen Nutzer in völlig neue Dimensionen. So könnten
zwar chronisch Kranke zum Beispiel bei Herzproblemen von den Chips
profitieren, gleichzeitig könnten sie von ihnen zusätzlich
krank gemacht werden.
Ganz neue Fragen der Entsorgung
werden die kaum zu übersehenden Mengen von künftigem
Elektronikschrott aufwerfen, sagt die Studie voraus. Auch der
Energieverbrauch werde drastisch steigen, wenn immer mehr Gegenstände
in Autos, Haushalten, in Kleidungsstücken und sogar in Lebewesen
zu Milliarden und Abermilliarden drahtlos vernetzt werden. Die
«Computerisierung des Alltags» zwinge auch zu neuen
Inhalten des Haftpflichtrechts und des Datenschutzes.
Für Rolf Kreibich überwiegen
die Risiken. Der Zukunftsforscher drängt die Gesellschaft
zu einer intensiven Diskussion über die drohende Technik-Abhängigkeit.
Handy und Internet, jede Erfindung für sich einschneidend,
seien nur «Vorreiter» für die bevorstehenden
viel tiefer gehenden Umwälzungen, heißt es von den
Berliner und Berner Autoren der Studie.
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