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Experten: Cannabis zu medizinischen Zwecken
freigeben
Internationale Experten haben
sich für die Freigabe von Cannabis zu rein medizinischen
Zwecken ausgesprochen.
Köln (dpa) - Seit 1998 sei
in Deutschland lediglich der Cannabis-Wirkstoff Dronabinol verschreibungsfähig,
sagte der Berliner Forscher Martin Schnelle zum Start der zweitägigen
«Internationalen Konferenz zu Cannabinoiden in der Medizin»
am Freitag in Köln. «Damit ist das therapeutische Potenzial
von Cannabis bei weitem nicht ausgeschöpft.» Das Bundesgesundheitsministerium
solle weitere Cannabis-Wirkstoffe verschreibungsfähig machen.
Auch die Selbstmedikation von
Patienten - etwa mit Cannabiskraut (Marihuana) oder Cannabisharz
(Haschisch) - solle straffrei gestellt werden, um diese Menschen
nicht weiter zu kriminalisieren, forderte Schnelle. Dazu solle
auch der illegale Hanf-Eigenanbau gehören. Bedingung für
eine straffreie Selbstmedikation müsse sein, dass ein Arzt
diese als «medizinisch sinnvoll» empfehle.
«Es geht uns nicht um eine
generelle Legalisierung von Cannabis, sondern um den rein medizinisch-therapeutischen
Nutzen», betonte Schnelle, der am Berliner Institut für
onkologische und immunologische Forschung arbeitet. In Mannheim
war vor einigen Monaten ein an Multipler Sklerose erkrankter Mann
vom Amtsgericht freigesprochen worden. Er hatte zur Schmerzlinderung
verbotene größere Mengen an Haschisch und Marihuana
besessen.
Dronabinol wird nach Angaben
des Kongresses bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt.
Dazu gehören vor allem chronische Schmerzen, Nervenerkrankungen
sowie Appetitlosigkeit bei Aids, Krebs oder Hepatitis (Leberentzündung).
In Deutschland ist der Wirkstoff als Kapsel oder in Tropfenform
erhältlich, die Krankenkassen sind jedoch nicht zur Kostenübernahme
verpflichtet, hieß es bei dem Kongress. Dort stellten internationale
Experten neue Ergebnisse zur medizinischen Verwendung von Cannabis
vor.
Der britische Anästhesist
William Notcutt präsentierte ein Cannabis-Spray, das in Großbritannien
voraussichtlich 2004 auf den Markt kommen werde. Nach drei Jahren
klinischer Studien mit mehr als 500 Patienten habe sich das Spray
bereits nach 20 bis 40 Minuten als deutlich schmerzlindernd erwiesen.
Zum Teil hätten bereits erfolglos «aus-therapierte»
chronische Schmerzpatienten wieder ihren Beruf aufnehmen können.
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