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Medizin:
Sehen lernen nach 40 Jahren Blindheit
Durch die Transplantation von
Stammzellen haben Ärzte einem 43-jährigen blinden Amerikaner
zum Sehen verholfen.
(jkm) - Der Patient hatte im Alter
von drei Jahren bei einem Unfall mit Chemikalien ein Auge verloren
und war auf dem anderen erblindet. Nach der Transplantation funktioniert
das verbliebene Auge wieder, doch muss der Patient das Sehen nach
40 Jahren Blindheit erst noch erlernen, berichten seine Ärzte.
In der September-Ausgabe von "Nature
Neuroscience" schreiben die Mediziner, die Operation liege
mittlerweile zwei Jahre zurück. Inzwischen nehme ihr Patient
Michael May einfache Formen wahr und könne Farben und Bewegungen
eindeutig identifizieren.
Schwer tut sich der Betroffene
aber noch bei der Einordnung dreidimensionaler Objekte sowie beim
Erkennen von Gesichtern. Ihm fremde Personen vermag er nur in
70 Prozent der Fälle als Mann oder Frau zu identifizieren.
Selbst seine Frau kann May an den Gesichtszügen allein nicht
erkennen. Er benötigt ergänzende visuelle Informationen
wie etwa Haarlänge und -farbe.
In der frühen Kindheit könne
das Gehirn noch keine komplexen Formen verarbeiten, interpretieren
Ione Fine und Donald MacLeod von der Universität von Kalifornien
in San Diego die Erfahrungen ihres Patienten. May sei zu früh
erblindet und werde die damals versäumten Lernprozesse jetzt
nachholen müssen. Ihm gehe es damit wie anderen ehemaligen
Blinden, die ihre neu gewonnenen Fähigkeiten anfangs als
eine starke Belastung erlebten.
Michael May erlernte als Blinder
Skifahren und kann den Sport zur Zeit nur mit geschlossenen Augen
betreiben. Die visuellen Eindrücke auf der Piste ängstigen
ihn zu stark. Auf Zurufe eines Begleiters kann er dagegen jedem
Hindernis problemlos ausweichen.
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